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15.10.2012
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Rotwein
Über die Weinberge zu den Burgundern

Von Dieter Braatz

Winzer: Kellereien auf dem Rotweinwanderweg
Fotos
Markus Bassler

Die Winzer an der Ahr jubeln: Sie haben eine Reihe guter Qualitäten in den Flaschen - und seit 2011 stimmt auch die Menge wieder. Auf der Suche nach den besten Rotweinen sind wir dem Wanderweg gefolgt, der über die Rebterrassen des erfolgreichen kleinen Anbaugebiets führt.

Ahrweiler - Wandern zum Wein? Nicht mein Ding! Hätte ich noch vor Kurzem glaubwürdig versichert. Aber dann kam die Idee auf, sich den Burgundern von der Ahr und ihren Winzern ganz wörtlich über die Weinberge zu nähern. An ermutigendem Zuspruch von ortskundiger Seite fehlt es nicht. Der Rotweinwanderweg von Bad Bodendorf nach Altenahr sei zumeist gut ausgebaut, extreme Kletterpartien verlange die Route nicht, und - für mich das überzeugendste Argument - man müsse ja nicht die gesamten 35 Kilometer ablaufen, sondern könne sich kleinere, die Kondition schonende Etappen heraussuchen. Zudem hätten wir jetzt im Juni auf dem Wanderweg Bewegungsfreiheit, zur Lese im Herbst hingegen würden Zigtausende hier unterwegs sein.

Als Probelauf vor größeren Taten erscheint uns das übersichtliche Teilstück von Ahrweiler nach Walporzheim angemessen. Der roten Traube, die den Weg markiert, folgen wir oberhalb der steilen Walporzheimer Lagen Kräuterberg, Gärkammer und Alte Lay etwa drei Kilometer bis zum Aussichtspunkt Bunte Kuh. Vom Turm bei dem markanten Felsvorsprung, in dem das weit ausladende untere in das enge obere Ahrtal übergeht, bietet sich ein spektakulärer Blick auf die Weinberge von Ahrweiler und Bad Neuenahr auf der einen, von Marienthal und Dernau auf der anderen Seite.

In diesem besonderen Moment wünsche ich mir ein Glas von Paul Schumachers elegantem 2009er Spätburgunder Kräuterberg - aber das gibt es erst drei Kilometer weiter in Marienthal. Dort steigen wir vom Rotweinwanderweg über eine steile Treppe direkt hinunter zum Weingut Kloster Marienthal. Auf der Terrasse im alten Klosterhof probieren wir zu einem köstlichen Flammkuchen den frischen 2011er Rosé "Marie Vallé" von der ehemaligen Staatsdomäne, an der seit 2004 - neben drei weiteren Partnern - auch der Dernauer Spitzenwinzer Werner Näkel beteiligt ist.

Schumacher lässt die Weine lange reifen

Nur ein paar Straßen entfernt treffen wir Paul Schumacher, der 2006 das Haus des ehemaligen Winzervereins direkt an der B 267 bezogen hat. Schumacher, obwohl schon 55, gehört zu den interessantesten Newcomern an der Ahr, auch weil er seinen Spätburgundern Zeit gibt: "Unsere Weine brauchen lange, bis sie die Trinkreife erreichen." Beispielhaft gilt das für die drei Hochkaräter vom Jahrgang 2009, die Cuvée "Patience" sowie für die Lagen-Burgunder Marienthaler Trotzenberg und Walporzheimer Kräu terberg, die ihre geschliffene, teils rassige Eleganz und würzigen Noten zeigen. Im Weinberg hingegen reizt der Winzer nicht mehr alle noch möglichen Reifegrade aus ("Öchsle ist nicht alles"), sondern erntet auch mal früher. Vom Barrique probiert, deuten die 2011er von Trotzenberg und Kräuterberg ihr großes Potenzial bereits an, verfügbar sind sie erst im Oktober 2013. Bis dahin darf man den gut ausbalancierten Spätburgunder Kräuterberg 2010 genießen.

Anderntags kehren wir in Marienthal auf den Rotweinwanderweg zurück und erreichen nach etwas über drei gemächlichen Kilometern den Bereich Dernau. Wie ein Amphitheater liegen die Rebberge des Winzerortes vor uns: Hardtberg, Pfarrwingert, Schieferlay und Burggarten. Nach einem längeren Abstieg hinunter nach Dernau stehen wir vor dem Weingut Meyer-Näkel, dem Wallfahrtsort für Weinliebhaber an der Ahr. Die Vorgeschichte ist bekannt: Mitte der 1980er-Jahre hat Werner Näkel, früher Sport- und Mathematiklehrer, nicht nur das elterliche Gut durch konsequentes Qualitätsstreben nach vorn gebracht, sondern gleich das gesamte Gebiet aus billigen süßen Weinträumen geweckt.

Ein Ableger in Südafrika

In der schicken Vinothek an der Friedensstraße stellt Werner Näkel heute die "Illusion Eins" an den Beginn seiner Burgunder-Probe. Die aktuelle Version ist cremig-geschmeidig, aber mit 13 Volumenprozent Alkohol etwas kräftiger als üblich ausgefallen. Schon seit 1985 produziert der Winzer den weiß gekelterten Spätburgunder; inzwischen gibt es Blanc de Noirs in fast jedem Gut an der Ahr. Seine roten Burgunder von 2011 sieht Näkel qualitativ in einer Reihe mit den Jahrgängen 2003, 2006 und 2009: "Das war ein einfaches Jahr, da konnte man fast nichts verkehrt machen." Die bereits gefüllten schlichteren Qualitäten von Früh- und Spätburgunder machen mit feinfruchtigen Noten Appetit auf den Jahrgang; die Barrique-Weine "G", "Blauschiefer" und "S" folgen in diesem Herbst und die "Großen Gewächse" aus Pfarrwingert, Kräuterberg und Neuenahrer Sonnenberg erst 2013.

Werner Näkels Engagement als Weinmacher beschränkt sich nicht auf die Ahr. Seit Jahren besitzt er - zusammen mit Bernd Philippi aus der Pfalz und Theresa Breuer aus dem Rheingau - die Quinta da Carvalhosa in Portugal, und auf seinem Gut in Südafrika produziert Näkel mit Erfolg die Chardonnay und Shiraz "us de Kap" sowie die Bordeaux-Cuvées "Z" und "Zwalu". Um den 19-Hektar-Betrieb daheim macht sich der 60-Jährige bei seinen Auslandseinsätzen keine Sorgen. "Den haben die Mädels auch ohne mich im Griff", sagt er und meint seine beiden Töchter: Meike, 32, betreut vornehmlich den Keller, Dörte, 30, kümmert sich daneben auch um Organisation und Verkauf.

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Ahr-Rotweinwanderweg

Der Rotweinwanderweg (RWW), 1972 offiziell eröffnet, zieht ich durch die Rebberge entlang der Ahr. Es geht zumeist auf ut ausgebauten Wirtschaftswegen durch Weinbergslagen, kleine aldstücke und Wiesen, nur das Teilstück zwischen Mayschoß und Altenahr ist mit steilen Anstiegen, schmalen Pfaden und Felstreppen etwas anspruchsvoller. Auf der 35,6 Kilometer langen Strecke von Bad Bodendorf nach Altenahr streift der mit einer roten Traube markierte Wanderweg alle elf Winzerorte des kleinen Anbaugebiets, die jeweils über einen Verbindungsweg zu erreichen sind.
Für Weinfreunde sind Abstecher von der Route hinunter ins Ahrtal sowieso unumgänglich, denn die meisten Güter haben ihre Betriebe und Straußwirtschaften in den Orten. Da die gesamte Strecke auch für geübte Wanderer kaum an einem Tag zu schaffen ist, sollte man den Weg in mehreren Etappen erlaufen. Hilfreich bei der Planung ist die Ahrtalbahn, die in jedem Ort am Wanderweg eine Haltestelle hat: Wer sein Auto am Ausgangspunkt beim Bahnhof parkt, kann nach bewältigter Etappe von der nächstgelegenen Station per Zug zurückkehren.








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