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08.10.2012
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Rum
Tropfen des Geistes

Von Alexander Grau

Rum: Hochprozentige Destillate
Fotos
Rum & Co

Es zischt und der Rum lässt den Zuckerhut der Feuerzangenbowle schmelzen. Beliebt und dennoch wird der Zuckerrohrschnaps häufig unterschätzt. Dabei entwickelt das Destillat ein Aroma, das mit edlen Whiskeys mithalten kann. mmo-Autor Alexander Grau über ein geschichtsträchtiges Getränk.

München - Rum genießt in Deutschland keinen besonders guten Ruf. Rum kippt man hierzulande in Heißgetränke aller Art, um das Kaffeekränzchen am Nachmittag etwas ausgelassener zu gestalten. Man verwendet ihn für ein Gebräu, das unsägliche Kopfschmerzen bereitet, Heinz-Rühmann-Fans für einen geselligen Genuss halten und das unter dem Namen "Feuerzangenbowle" berüchtigt ist. Und traditionsorientierte Hausfrauen sowie ambitionierte Familienväter ertränken in Rum bemitleidenswertes Obst - eine brachiale Konservierungstechnik aus Kriegs- und anderen schweren Zeiten.

Rum, das verbindet der durchschnittliche Deutsche mit "dem guten Pott" oder mit "Hansen Rum", die selten neben den Whiskeys, Cognacs oder Wodkas in der Hausbar stehen, sondern im Küchenschrank, irgendwo zwischen Mandelsplittern, Vanillezucker und anderen Backutensilien. Auf die Idee, Rum pur zu trinken, kämen die meisten nicht so schnell. In Rum weicht man Rosinen für den Stollen ein, um ihn dann lieblos in den Ausguss zu schütten.

Eine Ausnahme dieser traurigen deutschen Rumkultur stellt bestenfalls weißer Rum dar, vorzugsweise von der Firma Bacardi. Bacardi-Rum immerhin - "Living live the easy way, got your way to let it run" - hat es durch geschicktes Marketing und beschwingte Kinobilder von attraktiven und fröhlich tanzenden jungen Menschen geschafft, die Aura von Spießigkeit, die den Zuckerrohrschnaps hierzulande umgibt, hinter sich zu lassen. Die Verwendung weißen Rums in zahlreichen Cocktails vom Mai Tai bis zum Daiquiri tat dazu ein Übriges.

Langsam allerdings beginnt sich auch hierzulande das Bild vom Rum zu wandeln. Und das ist kein Wunder. "Rum", betont Michael Meinke, Rumspezialist und Leiter der "Triobar" in Berlin-Schöneberg, "ist vom Aromenpotential die beeindruckendste Spirituose und schlägt Whiskey und Cognac um Längen."

Die unendliche Vielfalt der Gräser

Ein Grund dafür ist das Ausgangsprodukt: "Es gibt ungefähr 800 registrierte Gräser Zuckerrohr", erklärt Meinke. Manche Gräser ergäben einen sehr würzigen Zucker, andere seien flacher, leichter oder weniger süß. Hinzu kommt, dass Rum, anders als Cognac oder Whisky (und Whiskey) keine geschützte geografische Herkunft kennt und Zuckerrohr in den unterschiedlichsten Klimazonen angebaut wird. Die Wachstumsunterschiede, die dadurch eintreten, wirken sich wiederum auf das jeweilige Aromenspektrum aus und tragen zu einer enormen Aromenvielfalt bei. Zudem ist Rum sehr gut lagerfähig und nimmt im "Kampf gegen das Holz" im Fass keinen Schaden.

Wo Zuckerrohr erstmals kultiviert wurde, ist umstritten. Gemeinhin gilt Papua-Neuguinea als Ursprung des Zuckerrohranbaus. Von dort kam es vermutlich nach Indien und China und schließlich über nahöstliche Handelrouten mit den Arabern in den Mittelmeerraum. Für die globale Verbreitung des Zuckerohrs und seinen Anbau in großen Stil sorgten jedoch die europäischen Kolonialmächte.

Schon auf seiner zweiten Fahrt in die Karibik 1493 brachte Christoph Kolumbus Zuckerrohr auf jene Insel, auf der heute die Staaten Dominikanische Republik und Haiti liegen. Für seinen Anbau im großen Stil sorgten jedoch erstmals die Portugiesen, die vom heutigen Brasilien aus Europa Anfang des 17. Jahrhunderts mit dem hoch bezahlten und begehrten Zucker versorgten, der damals noch als Gewürz galt. Mit dem Niedergang des portugiesischen und spanischen Kolonialreiches rissen die Franzosen auf Martinique, vor allem aber die Engländer auf Barbados die Zuckerproduktion und den -handel an sich.

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Bezugsquellen

Rum & Co
www.rumundco.de

Rhum.de
www.rhum.de

Rum-Depot Berlin
www.rum-depot.de









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