Dienstag, 19. März 2019

Comeback des Filterkaffees Manche mögen's schwarz

Schnuppern, schöpfen, schlürfen: Wie Profis Kaffee testen
HMC / Michael Zapf

Warum schütten Sie Milch in Ihren Kaffee? Edle Bohnen bieten auch ohne Zutaten Geschmackshöhepunkte. Und um den Bohnensorten ihr individuelles Spitzenaroma zu entlocken, braucht es auch keine teuren Hochdruckmaschinen - der gute alte Filter ist wieder en vogue.

Hamburg - Wenn Cory Andreen Kaffee kostet, ist es ein Spektakel. Es zischt, es gluckert, es blubbert. Die Geräusche stammen nicht etwa aus einer Kaffeemaschine. So klingt es, wenn Andreen das braun schimmernde Getränk von einem runden Löffel in seinen Mund schlürft und darin herumwirbelt. Fast so, als würde er sich den Mund nach dem Zähneputzen ausspülen. Dabei wandern die Augenbrauen für einen kurzen Moment nach oben, dann spuckt er denn Kaffee in einen Plastikbecher.

Unbedarfte Beobachter könnten ernsthaft an seinen Manieren zweifeln. Doch der schmächtige Mann weiß, was er tut. Er ist Barista - also Kaffeezubereiter - im KC Café in Berlin. Mehr noch: Der gebürtige US-Amerikaner ist der amtierende Weltmeister im "Cuptasting", also in der Kaffeeverkostung.

Es ist ein Wettbewerb, bei dem Geschmacks- und Geruchssinn Höchstleistungen erbringen müssen. Die Teilnehmer sollen mit verbundenen Augen verschiedene Kaffees identifizieren und voneinander unterscheiden. "Das klingt leichter als es ist - bei 120 Tassen in 20 Minuten", sagt Andreen mit einem verschmitzten Lächeln.

Die Kunst des Kaffeeverkostens zeigt der Champion einer handvoll Interessierten bei der Coteca, einer Fachmesse für Kaffee, Tee und Kakao, die am vergangenen Wochenende in Hamburg stattfand. Weltmeister anderer Disziplinen wie 100-Meter-Läufer oder gar Fußballer wären wohl erfurchtsvoller empfangen worden. Doch die Szene der Kaffee-Begeisterten ist klein.

Missionare der edlen Bohne

Das verwundert, wenn man bedenkt, wie viele Hektoliter des schwarzen Gebräus allmorgentlich die Gaumen der Bundesbürger passieren - und dabei höchstens einen bitter-sauren Geschmack und Mundgeruch hinterlassen. Allein im ersten Halbjahr 2012 importierte die Bundesrepublik 614.000 Tonnen Kaffee.

"Wissen Sie, warum man Kaffee nur heiß trinkt?", fragt Andreen und schiebt die Antwort gleich hinterher: "Um ihn möglichst wenig zu schmecken." Dabei ist Kaffee für Menschen wie Andreen das geschmackvollste Getränk überhaupt. 800 verschiedene Aromen seien darin enthalten. Zum Vergleich: Wein kommt nur auf 200. Es kommt nur auf die richtige Sorte Bohnen an. Und natürlich auf die richtige Zubereitung.

Zu den Missionaren der edlen Bohnen gehört auch Thomas Kliefoth, Deutschland-Koordinator des Speciality Coffee Association of Europe (SCAE). "Deutschland weiß gar nicht, was es für Kaffees gibt", sagt Kliefoth während er den Cupper-Löffel an seiner Schürze abtrocknet, bevor er den Inhalt der nächsten Tasse schlürfend seinen Geschmacksnerven präsentiert. "Für einen kleinen Aufpreis bekommt man so viel mehr Qualität." Freilich betreibt er dabei en passant auch Eigenwerbung. Schließlich ist er Betreiber der Hamburger Rösterei Elbgold, die sich den Spezialitätenkaffees verschrieben hat.

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