Montag, 10. Dezember 2018

Whisky-Raritäten Im Höhenrausch

Sammler-Whiskys: Rediteträchtige Hochprozenter
WhiskyAuction.Com

Whiskys aus Schottland sind begehrt wie selten zuvor. Nicht nur Genießer greifen zu, auch Investoren begeben sich auf die Suche nach seltenen Getreidebränden - und treiben die Preise in irrwitzige Höhen. Dem Renditedurst kann aber schnell ein Kater folgen.

Hamburg - Whisky wird gern flüssiges Gold genannt. Und dieser Vergleich passt nicht nur wegen seines bernsteinfarbenen Schimmers. Es ist der Drink der Superlative. Keine andere hochprozentige Flüssigkeit ist so gehypt, keine andere rund um den Globus so begehrt.

Beispiele gefällig? Zum 60. Thronjubiläum bekam Queen Elisabeth II. in der vergangenen Woche eine Flasche "Diamond Jubilee"-Whisky überreicht, der im Jahr ihrer Thronbesteigung in der Destillerie der Königsfamilie im schottischen Ballater gebrannt wurde. Die restlichen 59 Flaschen gehen in den Verkauf. Stückpreis: 100.000 Pfund.

Für die gleiche Summe kauften zwei aus Indien stammende Whisky-Liebhaber je eine Flasche des 64 Jahre alten "Dalmore Trinitas". Diesen Namen trägt der hochexklusive Tropfen, weil gerade einmal drei Flaschen davon existieren. Die dritte Flasche verkaufte das Londoner Luxuskaufhaus Harrods für 120.000 Pfund. Experten schätzen, dass der "Dalmore Trinitas" in einer Bar schlappe 20.000 Pfund kosten würde, pro Glas versteht sich.

Es geht sogar noch teurer: 2011 kaufte ein Geschäftsmann in einem Duty-Free-Shop auf dem Changi-Flughafen in Singapur quasi im Vorbeigehen eine Flasche "Dalmore 62" für 125.000 Pfund. Den offiziellen Rekord hält jedoch ein 64 Jahre alter Macallan. Im November 2010 versteigerte das Auktionshaus Sotheby's in New York 1,5 Liter des Whiskys im Lalique-Dekanter für 288.000 Pfund.

Der hippe Drink der Neureichen

Die Preise für seltene Whiskys haben inzwischen Höhen erreicht, bei denen Normalsterblichen schwindlig werden kann, ohne auch nur einen Schluck probiert zu haben. Die Käufer stammen immer häufiger aus wirtschaftlich aufstrebenden Nationen wie Indien, China, Taiwan oder Brasilien.

In diesen Ländern wird Whisky zum hippen Getränk der Wohlhabenden: 2011 legten die Exporte nach Singapur, dem wichtigsten Drehkreuz für den asiatischen Markt, um 44 Prozent zu. Brasilien importierte knapp 50 Prozent mehr als im Vorjahr, hat die Scotch Whisky Association (SWA) berechnet. "Schottischer Whisky ist nach wie vor in Industrieländern wie den USA und Frankreich beliebt. Jetzt kommen die Nachwuchsmanager aus Asien und Lateinamerika dazu", erklärt SWA-Chef Gavin Hewitt.

Der Schritt vom beliebten Getränk zum exklusiven Sammlerstück ist klein. Auch in Schwellenländern wird Whisky zum Statussymbol. "Der Auktionsmarkt in Großbritannien und Deutschland ist beinahe leergekauft. Besonders die Nachfrage aus Asien ist immens gewachsen", sagt Whiskyhändler Thomas B. Ide. Seit der Euro-Krise habe sich der Run nochmals verstärkt, beobachtet der Betreiber des Portals The Whisky Chamber.

Für Liebhaber mit kleinem Budget wird die Konkurrenz der Investoren damit immer größer. "Sammler werden aus dem Markt gedrängt", sagt Thomas Krüger, Betreiber der Plattform WhiskyAuction.com.

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