Freitag, 22. März 2019

Whisky-Raritäten Im Höhenrausch

Sammler-Whiskys: Rediteträchtige Hochprozenter
WhiskyAuction.Com

2. Teil: Das Whisky-Einmaleins

Whisky als Geldanlage. Als Sachwert in unsicheren Zeiten. Als reale Rendite. Das klingt erst einmal verlockend, aber geht die Rechnung auch auf? Beispiele, die Händler aus ihren Datenbanken hervorzaubern, sind eindrucksvoll. So kostete ein zwölf Jahre alter Rosebank der Abfüllung "Flora & Fauna" im Jahr 1999 35 Euro. 2011 wechselte er für 120 Euro den Besitzer. Binnen zwölf Jahren ist der Preis also um 342 Prozent gestiegen, eine Wertsteigerung von knapp 29 Prozent per anno - ein mehr als respektabler Gewinn.

Sogar 50 Prozent Plus pro Jahr erzielte ein 22 Jahre alter Port Ellen. 2002 wurde die Originalabfüllung für 200 Euro gekauft und 2011 für 900 Euro abgegeben - unterm Strich eine stolze Gesamtrendite von 450 Prozent. Welche Aktie kann da schon mithalten?

Doch so gut läuft es nicht immer. Beim welchem Hochprozenter sich der Wert wirklich vervielfacht, ist im Voraus selbst für Experten kaum verlässlich zu bestimmen. Eine offizielle Handelsbörse gibt es nicht - im Unterschied zur Liv-Ex für Weine. Dafür eine Vielzahl an privaten Handelshäusern wie The Whisky Exchange in London oder Whisky Auction in Deutschland. Beim World-Whisky-Index kann man immerhin ein paar Anhaltspunkte zur Preisentwicklung von bestimmten Marken gewinnen.

Wer sich davon nicht abschrecken lässt und in die Welt des flüssigen Goldes eintauchen will, muss sich an ein paar Grundregeln halten. Die einfachste lautet: Je seltener der Whisky, desto höher wird der Preis wahrscheinlich steigen. Dafür wenden die Sammler einen morbiden Kniff an. Sie kaufen Abfüllungen aus längst geschlossenen Brennereien. So ist von vornherein ausgeschlossen, dass neue Fässer nachkommen. Das Angebot ist also gering. "Sammler sollten dabei zu Originalabfüllungen greifen, also zu Abfüllungen direkt von der jeweiligen Brennerei", rät Whisky-Experte Ide.

Auf den Zustand der Flasche achten

Ohnehin handelt es sich bei den edlen Whiskys meist um Single Malts aus Schottland, also um Getreidebrände aus gemälzter Gerste, die in einer einzigen Destillerie hergestellt wurden und oft weit über zehn Jahre in Fässern lagern. Kenner schätzen ihren individuellen Charakter. Bei sogenannten Blends handelt es sich dagegen um Verschnitte aus mehreren Whiskys, um stets den gleichen Geschmack zu reproduzieren. Was im Supermarkt als Whisky verkauft wird, ist zudem oft mit Karamell als Farbstoff versetzt und kühlgefiltert - für Sammler ein rotes Tuch.

Wichtig für den Preis ist neben Destillerie, Alter und Abfüllung auch der Zustand der Flasche. "Verpackung, Etikett, Siegel und Korken müssen unbeschädigt sein. Auch die Füllhöhe ist wichtig", rät Krüger. Sie schwankt mit dem Alter und der Lagerung des Whiskys. Liegt der Pegel bereits in der Schulter der Flasche, müssen Verkäufer mit erheblichen Einbußen rechnen.

Im Gegensatz zu Wein wird Whisky übrigens stehend gelagert. Experten empfehlen einen trockenen Keller. Bei zu warmen Räumen besteht die Gefahr, dass der kostbare Tropfen schneller verdunstet.

An den Grundregeln lässt sich erahnen: Die Wahl eines möglichst renditeträchtigen Whiskys ist komplex. Zum Trost bleibt den Sammlern letztlich immer noch, den Whisky einfach zu genießen. Aber bitteschön ohne Eis und aus einem zierlichen, tulpenförmigen Nosing-Glas - und nicht aus einem dickwandigen Tumbler. Nur so kann der Connaisseur alle Aromen erfahren.

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