Samstag, 7. März 2015

Privatinsel Öhe bei Rügen Glückliche Einsiedler

Mit der Kuh auf du und du: Viele seiner Blonde-d'Aquitaine-Rinder kennt Züchter Mathias Schilling beim Namen
Pieter-Pan Rupprecht
Mit der Kuh auf du und du: Viele seiner Blonde-d'Aquitaine-Rinder kennt Züchter Mathias Schilling beim Namen

Für Touristen ist Öhe bei Rügen tabu. Nur drei Einwohner hat die Privatinsel. Die Familie widmet sich der Rinderzucht. In der Abgeschiedenheit entwickeln die Tiere dank salzigem Gras und liebevoller Pflege zart-würziges Fleisch, das Züchter Schilling in seinem Restaurant auf Rügen serviert.

Öhe - Stehend, wie ein venezianischer Gondoliere, steuert Mathias Schilling sein rosa Ruderboot. Er setzt über auf die Ostseeinsel Öhe, nicht nicht einmal 100 Meter sind es von Schaprode im Westen Rügens über den Bodden. Eine Fähre gibt es nicht, denn Öhe, 75 Hektar Weideland und seit 700 Jahren in Privatbesitz, ist kein Ausflugsziel. Der aktuelle Herr der Insel ist der 30-jährige Mathias Schilling. Er, seine Frau Nicolle und ihr Baby Oskar-Theobald sind die einzigen Bewohner.

Allein sind sie allerdings nicht, denn mit der Familie Schilling leben außer ein paar Schafen auch 130 Rinder auf Öhe. Mathias Schilling züchtet die aus Frankreich stammenden Rassen Limousin und Blonde d'Aquitaine. Ihr Fleisch gilt als besonders zart, feinfaserig, saftig und cholesterinarm.

Auf Öhe bekommt es zusätzliches Aroma, denn die roten und cremefarbenen Tiere fressen nichts anderes als das von der Ostseeluft salzbenetzte Gras. "Die reine Weidehaltung erkennt man am Muskelfett, das leicht gelblich ist", erklärt Schilling. "Salzwiesen haben einen besonders hohen Natriumgehalt, und es wachsen hier viele Kräuter. Das schmeckt den Tieren - und das schmeckt man im Fleisch heraus."

Der Inselbauer hat die kräftigen Rinder, die früher als Arbeitstiere gezüchtet wurden, aber nicht nur wegen ihres hervorragenden Fleisches ausgewählt. Sie sind außerdem robust genug, um es auch im Winter auf der Weide auszuhalten. Dann werden sie allerdings gefüttert - mit Heu, das auf Öhe geschnitten wurde.

Die Insel war zu klein, um enteignet zu werden

Seit dem Jahr 1312 gehört die Insel dem Adelsgeschlecht von der Öhe, in das die Schillings im 19. Jahrhundert einheirateten. Er selbst, erzählt Mathias, wurde aber in Schleswig-Holstein geboren. Sein Vater, ein Arzt, war 1965 mit einem Faltboot über die Ostsee der DDR-Diktatur entkommen. Die Großeltern blieben auf Öhe und hatten Glück: Weil ihre Insel weniger als 100 Hektar groß ist, wurden sie nicht enteignet.

Als der Großvater 1970 starb, führte die Großmutter den Hof weiter, züchtete die seltenen Rauwolligen Pommerschen Landschafe. In den Ferien war der kleine Mathias oft zu Besuch, "die Landwirtschaft hat mich schon als Kind begeistert". Vor fünf Jahren schließlich, die Abschlüsse von Hotellehre und Landwirtschaftsstudium in der Tasche, zog er nach Öhe: "Ich wollte hier etwas aufziehen, was zu der Insel passt."

Also hat er das ehemalige Gesindehaus für seine junge Familie modernisiert; im Gutshaus wohnen die Eltern, wenn sie zu Besuch sind. Am Froschteich steht eine alte Scheune, wo unter einem modernen Vorbau das Heu für den Winter trocknet, und aus dem alten Park führt ein Rosenbogen zu einem romantischen Plätzchen am Schilf: dem Familienfriedhof.

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