Montag, 23. Oktober 2017

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Neue Gins aus Deutschland Erlesenes von Enthusiasten

Gin gilt als urbritisch. Dabei kommt der Wacholderschnaps ursprünglich aus den Niederlanden. Und in Deutschland beleben ambitionierte Brenner alte Marken und ersinnen neue - wie den "Monkey 47" aus dem Schwarzwald, die Berliner Marken "Adler Gin" und  "Lebensstern" oder den Münchener "Duke".

Historischer Gin: Der Booth & Co Superior Old Tom Gin, wie er zwischen 1925 und 1935 abgefüllt würde - zu verkosten in der Berliner Triobar, deren Inhaber auf historische Spirituosen spezialisiert ist
www.triobar.net
Historischer Gin: Der Booth & Co Superior Old Tom Gin, wie er zwischen 1925 und 1935 abgefüllt würde - zu verkosten in der Berliner Triobar, deren Inhaber auf historische Spirituosen spezialisiert ist
München - Prinz Harry gilt sehr zu Recht als ausgewiesener Fachmann für eine heitere und kurzweilige Feier. Während sein Bruder eher den Eindruck einer etwas trögen Spaßbremse vermittelt und Papa gerne mit Blumen plaudert und durch Moore stapft, fällt der junge Prince of Wales immer wieder durch fröhliche und ausgelassene Partys auf.

Einer der unbestrittenen Höhepunkte in seinem an bemerkenswerten Einfällen nicht armen Partyleben war ohne Zweifel seine spaßige Idee, Wodka durch die Nase zu konsumieren. Dabei spricht zunächst nichts gegen die Nase. Wirklich schockierend war jedoch die Wahl der Spirituose. Wodka mischen Teenager in koffeinhaltige Gummibärchenbrause, um sich so richtig die Kante zu geben. Und Russen verwenden ihn als Tafelwasser. Für zivilisierte Westeuropäer über 18 ist Wodka jedoch nur eine vollkommen sinnlose Form der Alkoholzufuhr.

Prinz Harry hätte sich bei der Wahl des richtigen Partygetränks einfach auf die unbestreitbare Kompetenz seiner Urgroßmutter verlassen sollen. Für Queen Mum gab es stets nur ein adäquates Mittel für den kleinen Schwips - Gin, am besten in Verbindung mit Tonic Water.

Dabei ist Gin ursprünglich gar kein britisches Getränk. Sein Vorläufer, das Genever, stammt bekanntlich aus den Niederlanden und ist dort nach wie vor populär. Alkohol, mit Wacholder und allerlei anderen Gewürzen angereichert, gab es in Europa allerdings vermutlich seit dem späten Mittelalter und gehörte zum Standardheilmittel der Volksmedizin. Manche Quellen bringen den Comte de Moret, einen Sohn Heinrich des IV. von Frankreich, mit dem ersten Wachholderschnaps in Verbindung.

Seine erste Erwähnung findet Gin bei Samuel Pepys

Doch als Erfinder des Gins gilt gemeinhin der Chemiker und Alchemist Sylvius de Bouve, der Ende des 16. Jahrhunderts an der Universität Leiden lehrte und dort Getreidedestillat Wacholderöl zusetzte - als Mittel gegen Blasenschwäche. De Bouve, um das ein für allemal zu klären, wird gerne mit Franciscus Sylvius verwechselt, einem berühmten Arzt des 17. Jahrhunderts, nach dem die Sylvius-Furche im Gehirn benannt ist, der jedoch mit Gin wenig am Hut hatte.

Nach de Bouves Rezept stellt der Fabrikant Lucas Bols in seiner 1575 gegründeten Brennerei erstmals Genever in kommerziellen Mengen her. Doch es sind unruhige Zeiten. 1568 bis 1648 tobte der Achtzigjährige Krieg um die Unabhängigkeit der Vereinigten Niederlanden von Spanien. Dass die aufmüpfigen protestantischen Provinzen der katholischen Großmacht überhaupt standhielten, verdanken sie englischer Militärhilfe.

Englische Soldaten brachten dann das holländische Genever mit auf die Insel, wo es als Gin Verbreitung fand. Seine erste Erwähnung findet der Gin in dem berühmten Tagebuch des Samuel Pepys. Bekannte hätten ihm geraten, so schreibt der Staatssekretär im Marineministerium am 10. Oktober 1668, "dass ich Wacholder Wasser zu mir nehmen solle", um die Schmerzen beim Wasserlassen zu lindern.

Ab Ende des 17. Jahrhunderts entwickelte sich Gin zum Modegetränk. Ein Grund dafür mag gewesen sein, dass mit Wilhelm von Oranien seit 1689 ein Holländer auf dem englischen Thron saß. Vor allem aber kurbelte Wilhelms Handelskrieg gegen Frankreich die heimische Spirituosenproduktion nachhaltig an. Als Queen Anne 1702 die Herstellung von Genever ohne Lizenz erlaubte, schossen überall im Land Destillerien aus dem Boden. Das Ergebnis war ein der Volksgesundheit eher abträglicher Alkoholkonsum und eine zweifelhafte Qualität des massenweise hergestellten Fusels.

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