Mittwoch, 20. März 2019

Biowein Öko von der Rebe bis ins Glas

Bio-Wein: Ökowinzer holen auf
TMN

Mit der Ernte 2012 gelten für Bioweine aus der EU neue Regeln, die erstmals auch die Kellermeister betreffen. Namenhafte Güter wollen vom dem Trend profitieren. Weinkenner versichern: Zu Lasten des Geschmacks geht der Umweltschutz nicht - selbst wenn Backpulver zum Einsatz kommt.

Mainz - Der Bio-Boom macht auch vor der Weinflasche nicht halt. Immer mehr Winzer wirtschaften in Weinberg und Keller ökologisch oder biodynamisch. Dass die Weine "öko" schmecken, ist passé. Der international renommierte Weinkritiker Stuart Pigott ist überzeugt, dass Qualitätsargumente gegen Biowein nicht mehr greifen. "Auch sehr etablierte Weingüter mit super Ruf machen mit", sagt er. Von der Ernte 2012 an gilt das grüne EU-Bio-Logo nun offiziell auch für Biowein.

"Bio ist mittlerweile ein Zusatznutzen, den der Verbraucher mit einkauft. Er verbindet mit dem Begriff eine höherwertige Qualität und will dadurch ein Stück weit zu einer umweltschonenden Produktion von Lebensmitteln beitragen", sagt Ernst Büscher vom Deutschen Weininstitut in Mainz. In Deutschland werden inzwischen 5400 Hektar Rebfläche von etwa 800 Weingütern ökologisch bewirtschaftet, darunter 29 Mitgliedsbetriebe des Verbands Deutscher Prädikatsweingüter (VDP).

Auch alle anderen großen Weinnationen öffnen sich diesem Trend. "Ökologisch erzeugte Weine spielen in der internationalen Weinwelt eine immer größere Rolle", sagt Ralph Dejas von Ecovin. Der 1985 gegründete Verband ist auf Ökoweinbau spezialisiert. Bioweine sind aber auch an den Logos von Demeter, Bioland oder Naturland zu erkennen. Es gibt aber auch Weinbauer, die nach den EU-Richtlinien für Biolebensmittel arbeiten und keinem dieser Verbände angehören.

Nicht jede Rebsorte geeignet

Ziel der Ökowinzer ist es, das Ökosystem Weinberg zu erhalten. Sie verzichten auf Pestizide und naturfremde synthetische Pflanzenschutzmittel. Sie schützen ihre Reben, indem sie Nützlinge aus der Tierwelt fördern und unter anderem pflanzenstärkende Pflegemittel wie Backpulver, Schafgarbe oder Schachtelhalm einsetzen.

Auch bei der Wahl seiner Rebsorten muss der Ökowinzer ein feines Gespür haben. "Sorten mit hoher Pilzempfindlichkeit sind schwierig für uns", sagt Hans-Peter Trautwein, Winzersprecher von Demeter. In vielen Bio-Weinbergen stehen deshalb pilzresistente Züchtungen wie Johanniter, Solaris, Saphira oder Seyval blanc für Weißwein. Beim Rotwein sind es zum Beispiel Regent oder Maréchal Foch.

Kunstdünger ist tabu, stattdessen wird organischer Dünger verwendet. Baut ein Winzer seinen Wein biodynamisch an, gelten zusätzliche Regeln - etwa der Einsatz spezieller Präparate wie Hornkiesel oder Kuhmist in homöopathischen Dosen.

Beim Geschmack der Ökotropfen sind sich alle einig. Die Weine überraschen oft durch ihre Vielfalt an Aromen, in denen sich ihre Herkunft, der Boden und ihre Weinlage spiegeln. "Ich sehe keinerlei Qualitätsargumente mehr gegen Bioweine", betont Weinkenner Pigott.

Neue Richtlinien für die Kellermeister

Bisher gab es nur EU-Standards für den Anbau im Ökoweinberg, seit Anfang Februar liegen nun auch EU-Richtlinien für den Kellermeister vor. Von der kommenden Lese an kann dann offiziell "Biowein" mit dem EU-Bio-Logo auf der Flasche stehen. "Damit herrscht Klarheit", urteilt Ralph Dejas. "Wer den Begriff 'Bio' verwenden will, der muss sowohl im Keller als auch im Weinberg ökologisch arbeiten."

Die neuen Vorgaben legen bestimmte Produktionsverfahren und Zusatzstoffe für Ökoweine fest. Verboten ist zum Beispiel der Konservierungsstoff Sorbinsäure. Aber weiterhin kann mit Schwefeldioxid konserviert werden, allerdings in geringerer Menge.

Ernst Büscher sieht die Ökowinzer als "Vorreiter im Weinbau". Viele ihrer Methoden seien heute auch Standard bei konventionellen Betrieben - beispielsweise der Einsatz von nützlichen Insekten, um Schädlinge zu bekämpfen oder auch Rebzeilen zu begrünen. "Viele arbeiten ökologisch, ohne sich zertifizieren zu lassen", sagt er. Das geschieht nicht zuletzt aus wirtschaftlichen Erwägungen, um sich die Hintertür offenzulassen, im Notfall konventionell spritzen zu können.

Heidemarie Pütz, dpa

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