Dienstag, 11. Dezember 2018

Wein aus Portugal Vinho verde darf auch rot sein

Vinho Verde: Portugals erfrischende Weinregion
wine-partners

Auf den prachtvollen Landsitzen der portugiesischen Vinho-Verde-Region entstehen erfrischende Weine. Viele der prickelnden Tropfen sind nicht sonderlich ambitiös, aber die Region fängt an, sich auf Qualität zu besinnen. Wer die richtigen Güter kennt, kann hier überraschend elegante Weine finden.

Porto - Die Hafenstadt Porto ist nicht nur Ausgangspunkt für jede Erkundungsreise zu den edelsüßen Portweinen und den trockenen Douro-Rotweinen, sondern auch zu den leichten, spritzig-frischen Weißweinen Portugals. Die Region des Vinho Verde erstreckt sich von Porto nordwärts.

Vier grosse Flüsse queren das Vinho Verde-Gebiet, das auch Minho genannt wird. Alle entspringen in Spanien und fliessen an der Portugiesischen Küste in den Atlantik. Douro, Cávado, Lima und Minho sind einerseits wichtige Transportwege, zum andern bieten sie den feuchten Atlantikwinden die Möglichkeit, weit ins kontinentale Klima einzudringen und schroffen Temperaturunterschiede etwas auszugleichen.

Der Minho ist überdies der Grenzfluss zum obersten Teil im Norden, dessen Bewohner lieber zu Portugal als zu Spanien gehören würden, zu dessen Mentalität, Lebensgewohnheiten, Küche, Landschaft und Kultur sie einen viel engeren Bezug haben. Autobahnschilder, die den Weg nach Spanien weisen, sind denn auch durchgekreuzt und mit "Vinho Verde" überpinselt.

Die Region im Norden Portugals gehört zu den am dichtesten besiedelten Regionen. Mehr als ein Drittel aller Portugiesen leben hier und haben sich in den Flusstälern und in der hügeligen Landschaft niedergelassen. Aus dem Flugzeug sieht es etwas zersiedelt aus, weil zwischen den Wohnhäusern auch kleine Fabriken und Betriebe stehen.

Feudale Paläste nach englischem Vorbild

An den schönsten Lagen stehen prachtvolle Landsitze mit riesigen, gepflegten Parks und Gärten. Massiv, aus schweren Granitkuben zum Teil im 17. Jahrhundert erbaut und in den letzen Jahren sorgfältig restauriert, dienen sie großen Weinbetrieben als Gästehäuser oder sind für Touristen zugänglich. Trägt eine solche Quinta ein Wappen, das die adelige Herkunft ihrer Erbauer dokumentiert, heißt sie Solar. Wenn sich Tradition und erfolgreiche Weinproduktion wie auf der Quinta de Azevedo vereinen, entsteht ein feudaler Palast mit riesigem Garten nach englischem Vorbild, den die Familie an Wochenenden für sich nutzt und ihn in der übrigen Zeit Geschäftspartnern aus aller Welt als Gästehaus zur Verfügung stellt.

Dass der Glockenturm der hauseigenen Kapelle nach dem Vorbild von Big Ben die Stunden schlägt, ist eine Reminiszenz an die grossen Zeiten des portugiesischen Seehandels, der Portwein und Madeira ausführte und getrockneten Klipp- oder Stockfisch aus Norwegen zurückbrachte. Die Leidenschaft und Begeisterung, mit der ihn die Portugiesen auch heute noch zu Bacalau verarbeiten, verwundert angesichts der langen Meeresküste, die alle Arten von frischem Fisch bereithält.

Nach einem heissen Tag am Strand, nach dem Sport oder im Sommer als Aperitif vor dem Essen sind die zitronengelben bis hellgrünen Vinhos Verde die einzig richtige Wahl. Über die Herkunft des Namens ist man sich nicht ganz einig. Sicher ist, dass er nicht die Farbe des Weines meint. Als ziemlich sicher gilt, dass die wegen der üppigen Niederschläge ständig grüne Landschaft oder die frische des nicht zur Lagerung bestimmten Weins bei der Namensgebung beteiligt waren.

Das Gebiet des Vinho Verde hat eine Ausdehnung von 21.000 Hektar und ist die grösste zusammenhängende DOC-Produktionsfläche in Portugal. Im Jahr werden rund 86 Mio Liter hergestellt, das entspricht 113 Mio Flaschen. Geschätzte 25.000 Produzenten stellen Trauben her, knapp 100 davon füllen auch ab. Die durchschnittliche Rebberggrösse beträgt gerade mal ein halber Hektar. Entsprechend überschaubar sind die Mengen: Die wenigen tausend Flaschen, die ein durchschnittlich großer Produzent herstellt, bleiben zum größeren Teil im Land und werden von den Einheimischen getrunken. Nur wenige Grossbetriebe errreichen Mengen im Millionenbereich und sind dadurch interessant für die Vetriebslogisitk der Discounter.

Seite 1 von 2

© manager magazin 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH