Montag, 25. März 2019

Haselnussbrände Nutella für Erwachsene

Haselnussgeist: Die besten Edelbrände
Lothar Hausstein

Haselnussgeist ist die neue Modespirituose schlechthin. Aromanuancen von Nougat über Schokolade und Karamell begeistern auch Genießer, die mit Hochprozentigem sonst wenig am Hut haben. Sie holen sich mit dem Edelbrand den Nougatcreme-Geschmack ihrer Kindheit zurück.

Hamburg - 1965 lancierte der Clan der Ferreros aus dem piemontesischen Alba Nutella auf dem deutschen Markt. Eine Erfolgsgeschichte ohnegleichen: Der Brotaufstrich wurde zum Klassiker des Frühstücksgeschäfts, tiefbraun, zuckerreich und kalorienschwer. So wurden die Ferreros zur reichsten Familie Italiens.

Nutella erinnert in Konsistenz und Geschmack an Nougat. Die Creme besteht aus Zucker, Pflanzenöl, Kakao, Milchpulver, Sojalecithin, Vanillin und hat einen gerösteten Haselnussanteil von gerade mal 13 Prozent. Geschmack? Süß, cremig, nussig. Und genau dieses Geschmacksbild sorgt zurzeit für Furore: bei den Edelbrennern an Main, Mosel und Rhein.

Glaubt man den Verkaufszahlen der Schnapsbrenner und Destillateure ist Haselnussgeist die Modespirituose schlechthin. Geröstete und gemahlene oder gehackte Haselnüsse werden zur Herstellung des Haselnussgetränks in Alkohol eingelegt und dann destilliert. Ein Kaleidoskop ganz ungeahnter Aromanuancen, beschert von der Haselnuss, wartet dann im Glas: geröstete Haselnuss-, aber auch Nougat-, Karamell- und Schokoladennoten sind wahrzunehmen. Wie Nutella eben.

Der Karriere der Nuss im Kupferkessel begann 1996 im fränkischen Mömbris. Der gelernte Schreiner und praktizierende Zimmermann Arno Dirker tauschte Hammer und Hobel mit dem Brennkessel. Kein Baum, kein Strauch ist seither vor ihm sicher. Er destilliert Edelschnäpse aus jeder erheischbaren Frucht (auch aus Steinpilzen und Spargel). Und so experimentierte Dirker auch mit der Frucht des Haselnussstrauchs. Nach einigen Fehlversuchen ("das Haselnussaroma wollte einfach nicht ins Destillat") bat er Ingo Holland um Rat. Der ehemalige Sternekoch ("Zum alten Rentamt", in Klingenberg) riet ihm die Haselnüsse zu rösten, erst im gerösteten Zustand komme das Aroma voll zur Entfaltung.

Nüsse aus Italien, Spanien, Frankreich und den USA

Arno Dirker präparierte die Backbleche in seiner Küche. Röstete die Nüsse im Backofen, zerkleinerte sie und mazerierte die Masse anschließend in Alkohol. Nach der Destillation und angemessener Reifung im Demion (Glasballon) erreichten Ende 1996 exakt 94 Flaschen Haselnussgeist (0,2 Liter) als Weihnachtsgeschenk seine besten Kunden: "Die Resonanz war riesig", wie er sagt.

Und Dirkers fränkische Brennkollegen wurden hellhörig. Franken. Ein typisches Merkmal der Landschaft, links, rechts und zwischen dem mäandernden Main, sind Streuobstwiesen. Im Gegensatz zu den europagenormten, auf Einheitshöhe getrimmten, maschinengerechten Obstbäumen gedeihen hier noch Baum- und Strauchgruppen mit qualitativ hochwertigen Beeren und Früchten. Weil die Obstgärtner für ihre geschmacklich exzellente, optisch aber eher unscheinbare Ware keine Abnehmer fanden, drohte die Motorsäge.

Aber dann traten ambitionierte Brenner auf den Plan, die sich zu einer Markengemeinschaft zusammenschlossen, genannt "Rosenhut". Dieses Gütesiegel steht dafür, dass alle Brände der Mitglieder nach strengen Qualitätskriterien aus frischen, vollreifen Früchten und Rohstoffen, sauber ohne Blatt und Stiel hergestellt werden. Auch Zucker- oder Aromazusätze sind verpönt. "Pure Frucht im Glas" lautet denn auch die Maxime der Vereinigung. Darüber hinaus sollte der Stoff eben aus Franken stammen. Genau hier liegt der Haken, zumindest beim Haselnussgeist.

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