Freitag, 16. November 2018

Malt Whisky Ein Fass ohne Boden

2. Teil: Die Renaissance der Malts ist gerade mal 20 Jahre alt

Dabei war diese Urform des Whiskys lange Zeit praktisch in Vergessenheit geraten. Seit mindestens einem halben Jahrtausend versteht man sich in Schottland aufs Whisky-Brennen. Malt Whisky, destilliert aus gemälzter Gerste, Wasser, Hefe und sonst gar nichts, ist ein Naturprodukt. Aber er wurde erst in den vergangenen 20 Jahren wieder entdeckt.

Zuvor hatte der Scotch ihm längst den Rang abgelaufen. Die Schotten dachten wohl: Whisky müsste leicht schmecken und wäre damit auch leichter zugänglich für ungeübte Gaumen. Die Lösung für dieses Problem kam 1826 mit der Erfindung einer neuen Destilliermethode. Ein säulenförmiger Brennapparat erlaubte es erstmals, Whisky kontinuierlich zu brennen, statt jedes Mal umständlich die kupfernen Brennblasen neu zu füllen. Das war schneller und billiger, zumal man damit auch ungemälzte Gerste und andere Getreidearten brennen konnte. Erwünschter Nebeneffekt: Dieser "Grain Whisky" war deutlich leichter als Malt Whisky.

Von da an wurde experimentiert, wurden Malt und Grain Whiskys miteinander verschnitten. Dieses Blending war die Geburtsstunde der großen Whisky-Marken. Der Tag der Malts verging, Johnnie Walker und seine Kollegen kamen. Scotch wurde zum Welterfolg, viele Blends zum Exportschlager.

Geblendet von den neuen Absatzmöglichkeiten, produzierten die Malt-Destillerien bald nur noch für die großen Marken - über Generationen. Nur wenige füllten noch ihren eigenen, unverschnittenen Whisky als Single Malt auf Flaschen. Etwa die Brennerei Glenfiddich, der wir die Renaissance des Malts verdanken: Mitte der 1960er Jahre begann Glenfiddich als erste Destillerie, Single Malt auch außerhalb Schottlands zu vermarkten. In den siebziger Jahren begannen die ersten Nachzügler, ebenfalls ihren Malt selbst abzufüllen und zu exportieren.

Spekulieren mit Malt

Heute werden weltweit 90 Millionen Kisten schottischer Whisky verkauft. Das sind 33 Flaschen, die da über den Tresen gehen - pro Sekunde. Das Brennwunder spielt sich ab auf den Inseln und im dünn besiedelten schottischen Hochland, in den Lowlands von Glasgow und im Nordosten in Speyside. Die Welt will immer mehr Whisky trinken, und 40 Prozent der globalen Erzeugung stammen aus Schottland, wo heute noch 107 Destillerien in Betrieb sind.

In den vergangenen zehn Jahren haben sie ihre Produktion um rund die Hälfte gesteigert. Vor allem Schwellenländer wie Singapur, Südkorea, Südafrika und Brasilien haben einen gewaltigen Nachfragesog geschaffen. Aber auch in Europa (insbesondere Frankreich, Spanien und Griechenland) ist Whisky kein Altherrengetränk mehr. In Deutschland sind Käufer zwischen Mitte dreißig und Mitte vierzig inzwischen die mit Abstand wichtigste Kundengruppe. Für Schottland ist der Whisky nach dem Nordseeöl das wichtigste Exportgut.

Auch wenn Malt Whisky inzwischen wieder 10 Prozent Marktanteile erlangt hat, er ist ein Nischenprodukt geblieben - für Maltliebhaber und Maltsammler. Weil Single Malts allerdings vergleichsweise hohe Preise erzielen, generieren sie fast 20 Prozent des Whisky-Umsatzes, der im Jahr 2008 allein im Export bei 3 Milliarden Pfund Sterling lag.

So mancher Malt entpuppt sich auch als lukratives Spekulationsobjekt. Bei einer im Maltversteigerung des Aktionshauses Bonhams in New York erzielte im vergangenen Juni ein 50 Jahre alter Macallan Anniversary Malt 9250 Dollar.

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