Montag, 10. Dezember 2018

Profigeräte im Test Kolosse der Küche

3. Teil: Der Zauberkessel

 Der Autopilot: Ganz selbstständig kümmert sich der Thermomix, Mixer, Kochgerät und Waage in einem, um das Zubereiten von Suppen, Saucen und mehr. So hat der Koch Zeit, kreativ zu sein
Uli Knörzer für BEEF!
Der Autopilot: Ganz selbstständig kümmert sich der Thermomix, Mixer, Kochgerät und Waage in einem, um das Zubereiten von Suppen, Saucen und mehr. So hat der Koch Zeit, kreativ zu sein

Die Geräte, die angeblich automatisch mixen und kochen können, wurden lange Zeit als Amateurquatsch für weicheiernde Warmkocher abgetan. Heute aber steht in fast jeder Profiküche eins der kleinen Thermomix-Multitalente.

Als die Wuppertaler Direktvertriebsfirma Vorwerk 1971 ihr Misch- und Kochgerät Thermomix vorstellte, rümpften Profis erst einmal die Nase über dieses Maschinchen, das ihnen hochherrschaftliche Aufgaben wie das Zubereiten von Suppen, Saucen oder Hollandaisen abnehmen sollte. Doch wer sich heute in Restaurantküchen und bei Berufs-Caterern umsieht, wird kaum eine stationäre oder mobile Küche finden, in der diese Kiste nicht irgendwo unaufgeregt ihren Dienst verrichtet.

Das Image aber, er sei nur etwas für Menschen, die nicht kochen können oder wollen, haftet dem Apparat in gehobenen Hobbykochkreisen noch immer an. Verständlich, denn wer mit dem handlichen Gerät (ca. 30 x 30 x 30 cm) kochen will, muss erst einmal alles vergessen, was er gelernt hat. Der Thermomix ersetzt zwar mehr als zwölf andere Küchengeräte und kann hacken, schroten, kneten, schlagen, mixen, rühren, erhitzen, schneiden, mahlen, pulverisieren, warm halten und emulgieren. Er zwingt seinem Benutzer aber eine eigenwillige Reihenfolge der Zubereitungsschritte auf - weswegen auch gestählte Profis notgedrungen erst die Bedienungsanleitung samt Musterrezepten lesen müssen.

Ist das erledigt, können auch gehetzte Mütter und andere Nebenbeikocher mit dem Thermomix statt mieser Fertiggerichte jeden Tag ein halbwegs schmackhaftes und gesundes, weil aus frischen Zutaten bereitetes Essen auf den Tisch bringen - was die Skepsis der ambitionierten Intensivkocher nicht gerade dämpft.

Um uns selbst ein Urteil zu bilden, testeten wir zusammen mit einem gut gebuchten Profi-Cateringkoch den Thermomix und seinen spanischen Konkurrenten MyCook ein paar Wochen lang im harten Fronteinsatz. Danach wurden beide Maschinen noch einmal mit zwei anderen Konzepten - Kenwood Cooking Chef und Gastroback Cook & Mix - verglichen.

Die Temperaturen sind vergleichsweise schlapp

Ein wichtiges Fazit für alle Semiprofi-Löffelschwinger: Ihr werdet nicht arbeitslos. Das liegt vor allem an den vergleichsweise schlappen Temperaturen, auf die diese Teile erhitzen können: Der Thermomix geht bis 100 Grad, MyCook legt noch mal 20 drauf, was beides aber bei Weitem nicht heiß genug ist, um Fleisch oder Zwiebeln ordentlich anzuschwitzen. Somit scheiden alle bei 140 bis 200 Grad zu kochenden Gerichte aus, und die von beiden Herstellern beworbene Bolognese schmeckte überaus lasch.

Spannend dagegen war, wie diese Maschinchen bei arbeitsintensiven Zuarbeiten, die Hitze bis nur 100 Grad und stetiges Rühren erfordern, das Kochleben erleichtern können: Mayonnaise, Mousse au Chocolat, Sauce Hollandaise, gebundene Gemüsesuppen, aber auch Reis, Pürees, Brand- und Hefeteig, ja sogar ein Risotto gelangen recht ordentlich, wenn man die Zwiebeln nicht in Fett, sondern in speziellem Zucker anschwitzte.

Nach dem Test war klar, warum Profis den teureren Vorwerk bevorzugen: Der MyCook arbeitet zwar mit moderner Induktionstechnik, macht aber einen weniger stabilen Gesamteindruck und ist sehr umständlich zu reinigen. Auch hat er - Rezeptfetischisten lieben den Thermomix dafür - keine eingebaute Küchenwaage. Die beiden anderen Konkurrenten stellten sich als nicht wirklich vergleichbar heraus.

Der teure Kenwood Cooking Chef geht zwar bis 140 Grad, ist aber eher interessant für alle, die eine klassische Küchenmaschine brauchen (er kann z. B. nicht im Kochgefäß die Zutaten zerkleinern, sondern nur durchrühren). Der mit 110 Euro extrem günstige Gastroback fiel komplett durch: Er kann nicht gleichzeitig mixen und kochen (geht nur abwechselnd), hat einen schwachbrüstigen Motor, der nicht abschaltet, wenn man den Deckel abzieht (hier kann also jeder in die rotierenden Messer greifen), und sauber kriegt man das Teil auch kaum.

Am Ende wird aus dem Trost, dass die Kiste einen echten Koch nicht ersetzen kann, eine heiße Empfehlung: Wer richtig gut ist, wird seine Kunst mit dieser Maschine noch verbessern - weil er die Kiste bedenkenlos auf Autopilot in die Welt der perfekten Emulgationssaucen, Suppen und Beilagen fliegen lassen kann, während der Chef selbst Kopf und Hände frei hat für ganz andere Höhenflüge an Herd, Hackbrett und Sauteuse.

Was ist das?
Eine Kreuzung aus Mixer, Kochgerät und Küchenwaage, die völlig selbstständig kniffelige Mayonnaisen, Suppen, Coulis, Mousses oder Risottos zubereiten kann.
Wer braucht das?
Nichtkochenkönner, Babynahrungszubereiter, aber auch Spitzenkochschaffende, die keinen Platz für einen ausgewachsenen Souschef als Zu-Arbeiter in der Heimküche haben.
Wer braucht das nicht?
Seltenkocher aller Leistungsklassen, aber auch Puristen, die ihre Hollandaisen prinzipiell nur mit der bloßen Hand aufschlagen.
Alternativen?
Drei weitere Geräte können ebenfalls mixen und kochen, zum Teil aber nur abwechselnd: Gastroback Cook & Mix (110 Euro, www.gastroback.de); mcc MyCook 1.8 Professional (899 Euro, www.mcc-shop.com); Kenwood Cooking Chef (1200 Euro, www.kenwoodworld.com/de-de)
Infos Hersteller
Vorwerk, Modell: Thermomix TM 31, Preis: ca. 1000 Euro, www.thermomix.de, Tel. 0202/5643811

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