Freitag, 16. November 2018

Edle Biere Gerstensaft für den Gabentisch

Weihnachtsbiere: Da braut sich was zusammen
J. Hoersch / essen & trinken

Sie heißen Wintergold, Schneeweiße und Schneewalzer, Glühtrunk, Lebkuchenbier und Weihnachtsbock. Weihnachtsbiere sind etwas kräftiger eingebraut, manche auch richtig stark, und sie bieten spezielle Malz- und Hopfensorten, wärmende alkoholische Noten und bisweilen außergewöhnliche Gewürze.

Hamburg - Jeder hat andere Vorstellungen von Weihnachten - auch beim Bier. Die Geschmäcke reichen von vollmundig und süffig bis hin zur kräuterbetonten Spritzigkeit. Am leichten Ende dieses Spektrums warten helle untergärige Festbiere mit einem Alkoholgehalt um fünf Volumenprozent auf die Genießer.

Wie etwa das milde Weihnachtsbier von Schwabenbräu. Mit besonderem Hopfenaroma macht das Alpirsbacher Weihnachtsbier auf sich aufmerksam. Weich und harmonisch im Antrunk, entwickelt der tiefgoldene Tropfen einen geschmeidigen Malzkörper mit blumig-feinherbem Ausklang. Für dieses betörende Ende sorgen die Naturhopfensorten Hallertauer Perle, Hallertauer Tradition und die Neuzüchtung Opal. Diese hellen, vollmundigen Biere sind süffige Allrounder. Sie passen zum Braten und zum Vanillekipferl - und löschen nebenbei auch den Durst.

Mit dem Flensburger Winterbock hingegen kann man keinen "Brand" bekämpfen. Im Gegenteil, dieses orangegoldene Starkbier wärmt die Herzen. Der Geruch erinnert an Birne, eine cremige Perlage bereitet auf den weichen Malzkörper vor, eingebettet in wärmende alkoholische Noten mit einem Hauch von Vanille und Marzipan, dennoch spritzig, mit langem, sanft-bitterem Finale - zum Dahinschmelzen. Dank seines Charakters eignet sich dieser Bock als Begleiter zu festlich-deftigen Speisen, wie mit Äpfeln und Maronen gefüllter Truthahn oder Gänsebraten mit Rotkohl.

So vielschichtig untergärige Bockbiere auch sein mögen, an die Komplexität der belgischen Winter-Ales reichen sie nicht heran. Das kommt von der obergärigen Hefe, die zusätzliche Aromen wie Orange, Gewürznelke oder Apfel ins Spiel bringt, und von den dezenten Gewürzgaben, mit denen die Belgier traditionell ihre Biere verfeinern.

Gewürzt mit Thymian und Curaçao

Eine Wonne an weihnachtlichen Genüssen bietet das "N'Ice Chouffe" der Brasserie d'Achouffe aus Wallonien: Das kastanienbraune Ale ist mit Thymian und Curaçao gewürzt, unfiltriert und ein zweites Mal in der Flasche vergoren. Es duftet bemerkenswert kühl nach Orangenschale. Beim Antrunk aber schmilzt das Eis: erdig, trocken, wärmend und fein moussierend, der Ausklang ist bitter-würzig und spritzig.

Aber aufgepasst! Ein solches flaschenvergorenes Bier braucht Pflege. Die Flasche stehend lagern, damit sich die Hefe unten absetzen kann. Vorsichtig einschenken und die Flasche zwischen den Gläsern nicht vertikal aufrichten. Das ist wichtig, weil der Hefesatz am Boden bleiben soll - er ist für den Genuss des Bieres störend. In Belgien wird allerdings die Hefe auf Wunsch zum Schluss extra ausgeschenkt. Die Trinktemperatur der Starkbiere liegt bei zehn Grad.

Übrigens schmeckt das würzige "N'Ice Chouffe" ganz besonders gut zum "Olive Noir"-Lebkuchen mit Oliven und Schokolade von Tres Aromas. Das Gemeinschaftsprojekt des fränkischen Bäckers Arnd Erbel mit den Köchen Andree Köthe und Yves Ollech vom Nürnberger Sterne-Restaurant "Essigbrätlein" stellt vier Lebkuchen-Variationen her, die sich ausgezeichnet mit Weihnachtsbieren kombinieren lassen ( www.tresaromas.de).

Eine Hausbrauerei namens "Schmieriger Lachs"

Die größten Überraschungen kommen manchmal aus den kleinsten Braustätten: So braut die junge Gasthausbrauerei Camba Bavaria aus Truchtlaching im Chiemgau ein bemerkenswertes "Christmas Ale". Das Bier ist einer Kooperation mit dem texanischen Braumeister Brock Wagner, Inhaber der Saint Arnold Brewing Company, zu verdanken.

Camba Bavaria hatte Wagner beim Installieren und Einfahren seiner neuen Brauanlage unterstützt. So durften die Truchtlachinger nach Wagners Rezept aus fünf Malzsorten, mehreren süddeutschen Hopfensorten und der Saint-Arnold-Originalhefe ihr spritziges Ale einbrauen, das selbst gestandene bayerische Biertrinker überzeugt.

Und wie wäre es mit einem "Dicken Fisch" auf dem Gabentisch? Viele kleine Brauereien mag es in Bayern geben, eine der kleinsten Deutschlands befindet sich jedoch im niedersächsischen Dörfchen Groß Ellenberg in der Nähe von Uelzen: Die Diplom-Braumeister Stefan Riggert und Steffen Wöckener sind stolz auf ihre "Brautradition seit 2006" und die rund 60 Hektoliter Jahresausstoß.

Vier Biere brauen sie nebenberuflich in ihrer Hausbrauerei namens Schmieriger Lachs, eines davon zu Weihnachten: Der "Dicke Fisch" (acht Volumenprozent) schwimmt bei kalten Temperaturen einige Wochen im Lagertank, bevor er voll ausgereift in Fässer und Flaschen abgefüllt wird. Ein Barley Wine aus fünf Malzsorten - eine echte Rarität und fette Überraschung.

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