Dienstag, 16. Oktober 2018

Besteckdesign Zweimal im Leben

Statistisch gesehen kauft jeder Deutsche zweimal im Leben eine komplette Besteckausstattung. Und die ist oft von Peter Bäurle gestaltet worden: 100 Millionen Besteckteile wurden nach den Entwürfen des Designers fabriziert, der 25 Jahre lang bei WMF arbeitete.

Geislingen - Das Blatt ist leer. Mit einem spitzen Bleistift teilt er das noch unberührte Weiß durch einen senkrechten Strich. Eine Markierung, nach der sich in den kommenden Minuten alles richten wird. Mit wachem Blick fliegen die stahlblauen Augen über das Papier. Hier eine Hilfslinie, dort entsteht eine Verdichtung. "Ich bin fertig", sagt Peter Bäurle mit einem Lächeln.

Der Designer kann auf eine 50-jährige Firmenzugehörigkeit zurückblicken, 25 Jahre davon als ausgesprochener Experte. Bäurle war bis vor kurzem Besteckdesigner bei Deutschlands führendem Besteck- und Küchengerät-Hersteller WMF in Geislingen.

Vor ihm liegt eine Löffelskizze des Bestecks "Vision", eine der erfolgreichsten Kollektionen von WMF. "Er ist für 25 Jahre der Dreh- und Angelpunkt für die Besteckentwicklung gewesen", sagt Designmanager Cornelius Boerner. "Fast in jedem deutschen Haushalt ist ein Besteck von uns in der Schublade."

Als Meilenstein für diesen Erfolg gilt der von der ThyssenKrupp Stainless-Gruppe entwickelter Werkstoff Cromargan. "Zwar ist das Material schwerer zu prägen als die bis dahin verwendeten Kupfer-Zink-Nickel-Verbindungen. Aber die Bestecke sind robuster, muten dennoch wie Silber an", sagt WMF-Sprecher Thomas Dix.

Besteckdesigner wurde Bäurle aus drei einfachen Gründen: "Glück, Fleiß und Können." Zwar habe er immer eine Eins beim Zeichnen in der Schule gehabt. Aber studiert, das habe er nie. "Heute wäre eine solche Karriere ohne Uniabschluss wohl nicht mehr möglich", sagt Bäurle. Neben der Ausbildung als Stahlgraveur lernte er als Modelleur alle Tätigkeiten im Atelier von der Pike auf kennen, ob bei Arbeiten aus Gips oder Metall - bis er Besteckdesigner wurde.

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