Freitag, 22. Februar 2019

Besteckdesign Zweimal im Leben

2. Teil: "Ohne Bleistift geht es nicht"

"Ohne Bleistift geht es nicht"

Heute kommen die Experten für edles Tischbesteck in der Regel von einer Hochschule und haben Industriedesign studiert. Im Haus entwickeln vier interne Designer neue Trends für Bestecke, Kochgeschirre und Kaffeemaschinen. Weitere bis zu 50 externe Kreative kooperieren eng mit den WMF-Fachleuten. "Wir arbeiten mit weltweit bekannten Designern zusammen. Dazu zählt auch die Architektin Zaha Hadid, die eine Besteckkreation für uns entworfen hat", sagt Boerner.

Bei der Arbeit: Besteckdesigner Bäurle bearbeitet eine Löffelform
"WMF als Unternehmen hat historisch gesehen schon immer als designaffin gegolten", sagt Egon Chemaitis, Professor für Designgrundlagen an der Hochschule der Künste (HDK) in Berlin. "Die sind im Besteck zu Hause. Auch durch die Marke Cromargan hatten die einen großen Vorteil gegenüber dem Wettbewerber." Ein zentrales Element dabei sei Kommunikation, erklärt WMF-Designer Boerner. Es gehe darum, neue Trends aufzuspüren und den Zeitgeist in Gestalt und Form zu bringen.

"Dazu gehen wir auf Messen, schauen uns neue Wohnstile an, durchkämmen Modekataloge und achten auch auf jüngste Stile in der Architektur oder neue Richtungen in der bildenden Kunst." Etwa sechs Wochen brauche ein Design, um ein Design zu werden, sagt Altmeister Bäurle. Zwar entstünden heute die meisten Entwürfe am Computer, dennoch müssten die Experten hin und wieder zur klassischen Methode greifen. "Ganz ohne Bleistift geht es nicht."

Von puristisch bis floral

Design, Qualität und Langlebigkeit seien die Argumente, die für die Kunden in Deutschland für WMF sprechen. "Satt werden, ohne sich zu verletzen, kann man auch mit billigem Besteck", meint Boerner. Der deutsche Durchschnittskunde kaufe etwa zweimal ein Besteck in seinem Leben. "Und das soll dann auch Qualität sein." Dabei müssen die Kenner von Formen und Haptik aus Geislingen den Gesamtmarkt abdecken: Von rustikal, edel und puristisch-geometrischen Linien hin zu floral-dekorativen und organisch-expressiven.

Bäurle hat etwa 100 Millionen Besteckteile mit seinem Design versehen. Insgesamt hat WMF mit rund 5900 Beschäftigten und einem Umsatz von knapp 762 Millionen Euro 2007 nach eigenen Angaben rund 500 Auszeichnungen für Form und Gestaltung gewonnen. Das Unternehmen ist neben Deutschland und den USA auch in Asien tätig.

Auch heute noch lässt die künstlerische Ader Bäurle nicht ruhen. Zu Hause als Pensionär malt er Bilder mit Acrylfarbe. "Die Zeit des Designs ist für mich vorbei", sagt er etwas nachdenklich. So ganz dürfte das nicht stimmen. Zumindest bei Familientreffen wird sich auch weiterhin im Hause Bäurle vieles um Design und Formen drehen. Denn heute arbeiten seine beiden Söhne bei der Württembergischen Metallwarenfabrik.

Sabine Kwapik, dpa

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