Freitag, 16. November 2018

Bars in Freiburg Gewagte Rezepturen

In Deutschlands Öko-Hauptstadt kann der Barbesucher Überraschungen erleben: Den perfekten Gin Fizz gibt es in trashigem Ambiente, eine edel-krawattige Location entsetzt mit merkwürdigen Rezepturen, und zum Absacker geht es ins KGB, wo eine ellenlange Wodka-Karte wartet.

Freiburg - Das zum badischen Teil von Baden-Württemberg gehörende Freiburg gilt als die Stadt mit den meisten Sonnentagen in Deutschland. Die kleine, idyllisch gelegene Metropole am Fuß des Schwarzwalds, die für die vielen kleinen Wasserläufe in ihrer Innenstadt bekannt ist, hat vielfältige Einflüsse.

Baden mit dem nahen Kaiserstuhl ist ein bekanntes Weinanbaugebiet, die französische Grenze nicht weit und auch im schweizerischen Basel ist man in einer knappen Stunde Fahrzeit. Was aber hat die Stadt, deren grüner Oberbürgermeister vom britischen "Guardian" unter die 50 einflußreichsten Personen "who could save the planet" gewählt wurde, cocktailtechnisch zu bieten?

"Gin Fizz? Haben wir nicht!"

Wenn man Freiburg per Zug erreicht, steht man schon am Fuße des Flaggschiffes oder zumindest des Fahnenmastes der Freiburger Barszene. Im 17. Und 18. Stockwerk eines Turmes über dem Bahnhofsgebäude befindet sich das "Kagan". Der nächtliche Blick durch bodenlange Panorama-Fenster ist einzigartig. Auf meine Frage nach einem Gin Fizz bekam ich allerdings die klare, knappe Ansage: "Haben wir nicht!"

Mit einem Blick auf die Karte orderte ich einen Vodka Sour als Alternative. Auf einem schönen Untersetzer mit dem Logo des Kagan bekam ich einen perfekt aussehenden Drink mit einer frischen Schaumkrone. Beim Kosten allerdings blieb der Eindruck nicht bestehen. Denn gerade beim Vodka Sour ist frischer Zitronensaft ein Muss. Als ich zahlen wollte, fragte der Barmann mit Blick auf den praktisch unberührten Drink, ob er mir nicht geschmeckt habe. Ich nannte ihm den Grund und verabschiedete mich, als er meine Bezahlung nicht akzeptieren wollte, mit einem Trinkgeld. Stil gewahrt. Auf beiden Seiten.

Weiter ging es in Richtung Stadttheater, wo mir die "Jackson Pollock Bar" als beliebter Anlaufpunkt der Kreativen genannt worden war. Und wenn etwas ein bisschen "Berlin" ist in Freiburg, dann ist es wohl diese Bar. An einem Spalier von leeren, demolierten Schaufenstern vorbei gelangt man in einen länglichen Raum, an dessen linker Seite ein langer Tresen sitzt. Über diesem ist ein typisch wirres, pollocksches Gemälde angebracht. Obs ein echtes ist?

Nach rechts geht es ins Innere des Theaters, während im hinteren Bereich Lounge-Möbel zum Sitzen einladen. So richtig gemütlich wirkt das Ganze nicht, aber der Bartender zauberte mir einen perfekten Gin Fizz hin. Ich war baff, denn vom trashigen Aussehen der Bar her hatte ich eher unerfahrenes studentisches Personal erwartet. Ein großes Mis-en-place wies darauf hin, dass man sich wohl auf das Stoßgeschäft während der Theaterpausen vorbereitet hatte.

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