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01.04.2005
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Discount-Weine
Billig und fies

Von Ulrich Sautter, Wein Gourmet

Schlechte Nachricht für Schnäppchenjäger: Weine aus Billig-Läden wie Aldi, Lidl & Co. sind nur im Preis Spitze. Beim Geschmackstest vom Fachmagazin "Wein Gourmet" haben sie indes schlecht abgeschnitten. Manches Gesöff schrammte sogar nur knapp an der Einstufung als Essigwasser vorbei.

Wer beim Weineinkauf im Discount auf Schnäppchen hofft, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit enttäuscht. In einer Stichprobe des Magazins "Wein Gourmet" haben gerade Mal 3 von 104 getesteten Billigweinen gleichermaßen im Preis und zumindest einigermaßen auch im Geschmack überzeugen können: der 2003er "Villa Paolo" von Penny, der 2003er "Kaiserstühler Weißer Burgunder" von Aldi Süd und der "Cimarosa Reserva Privada" von Lidl, ebenfalls aus dem Jahr 2003.

Aber: Die Weinexperten mussten von den übrigen getesteten Weinen 71 mit gerade mal ausreichend bewerten. 13 Rot- und 17 Weißweine erhielten sogar die Note mangelhaft oder gar ungenügend.

  "Wein Gourmet":  Zeitschrift aus dem Hamburger Jahreszeiten Verlag

"Wein Gourmet": Zeitschrift aus dem Hamburger Jahreszeiten Verlag

Für seine Probe hat die Wein-Gourmet-Redaktion Testkäufer in Aldi-, Lidl-, Penny-, Plus-, Netto-, Norma-, Hit- und Kondigeschäfte geschickt. Ihre Aufgabe: Sie sollten für den Qualitätstest pro Weinsorte drei Flaschen ihrer Wahl kaufen. Insgesamt kamen so 312 Flaschen Weiß- und Rotweine in die Testauswahl, keine davon billiger als 99 Cent, aber auch keine teurer als 4,99 Euro.

Der Grund für die schlechte Qualität der Billigweine aus Discountmärkten ist leicht auszumachen. Was zählt ist Masse, nicht Klasse, denn von den umsatzstärksten Weinen werden mehr als eine Million Flaschen benötigt. Wein-Broker kaufen deshalb im Auftrag der Discountketten die nötige Weinmenge von überall her zusammen. Die unterschiedlichen Sorten werden dann in einer Lohnkellerei gemixt und so nachbehandelt, dass über einen längeren Zeitraum hinweg Abfüllungen mit ähnlichem Geschmack möglich werden.

Negative Ausreißer lassen sich allerdings auch so nicht immer ausschließen. Manche Billig-Weine im "Wein-Gourmet"-Qualitätstest haben so viel Essigsäure enthalten, dass sie kaum genießbar waren. Immerhin: Mit Messwerten zwischen 0,8 und 1,0 Gramm Essigsäure pro Liter gelten sie nach dem Weinrecht wenigstens noch als Wein. Wenn auch knapp.

  Schlechtester Wein im Test mit 0,98 g/l Essigsäure - von Plus:  2003 "St. Laurens" Blauer Zweigelt Qualitätswein trocken Niederösterreich. Gekauft am 20.12.2004 in 10961 Berlin für 1,99 Euro. Abfüller: D-RP 907098. Lot-Nummer: 4.1848   Zweitschlechtester Wein im Test mit 0,96 g/l Essigsäure - von Norma:  1999 Château Haut-Franquet, Haut-Médoc AOC Cru bourgeois, SARL Seguin Bacquey, Moulis. Gekauft am 31.12.2004 in 70178 Stuttgart für 4,99 Euro. Ohne Lot-Nummer   Drittschlechtester Wein im Test mit 0,88 g/l Essigsäure - von Penny:  2003 Chianti DOCG, Conti Serristori, imbottigliato nelle proprie cantine di Gaggiano. Gekauft am 27.12.2004 in 65203 Wiesbaden für 1,99 Euro. Lot-Nummer: 0433414:211
  Viertschlechtester Wein im Test mit 0,82 g/l Essigsäure - von Norma:  Ohne Jahrgang, "Particini dolce", Asti DOCG, imbottigliato da S.E.S.I., Cossano Belbo. Gekauft am 3.1.2005 in 18573 Samtens für 3,29 Euro. Lot-Nummer: 232620   Fünftschlechtester Wein im Test mit 0,80 g/l Essigsäure - von Aldi Süd:  2002 Chianti DOCG, imbottigliato da GEPIS, Castellina in Chianti. Gekauft am 27.12.2004 in 76131 Karlsruhe für 1,99 Euro. Lot-Nummer:Lot 4-322.

Parade der schlechtesten Weine
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Neben dem Geschmackstestergebnis ernüchtert zudem die schlechte Wein-Nachkaufgarantie im Billig-Supermarkt. Angesichts der großen Stückzahlen, die Discounter unter demselben Etikett vermarkten, können Flaschen mit demselben Etikett durchaus unterschiedliche Weine enthalten. Der Chianti "Giorgio Gaudio" beispielsweise, einmal gekauft bei Plus in Binz und ein weiteres mal bei einer Oldenburger Plus-Filiale, hat im Test erkennbar unterschiedlich abgeschnitten - obwohl beide Flaschen aus dem gleichen Jahrgang 2003 stammten.

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