Dienstag, 12. Dezember 2017

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Süße 3D-Druckobjekte Zucker für den Drucker

3D-Zucker-Drucker: Das ist ja süß
Fotos
The Sugar Lab

Zwei technikbegeisterte Designer aus Los Angeles haben eine neue Anwendung für den 3D-Druck erfunden: Essbare Gebilde aus Zucker. Derzeit kosten ihre Kunstwerke noch mehrere Hundert Dollar, aber die Technik könnte eine große Zukunft haben.

Hamburg - Eigentlich wollten Kyle und Liz von Hasseln nur einen Geburtstagskuchen für eine Freundin - drucken. Das technikbegeisterte Studentenehepaar aus Los Angeles hatte sich schon auf verschiedenen Gebieten getummelt: Beide hatten sich mit Molekularbiologie befasst, bevor sie ihre Liebe zum Design entdeckten und schließlich beide ihren Master in Architektur machten. Und 3D-Druck faszinierte sie schon lange.

Warum nicht statt Kunststoff Zucker nehmen, dachten sie sich - und einen Kuchen drucken, statt ihn zu backen? Es folgten zwei Jahre "trouble-shooting", bis es brauchbare Ergebnisse gab. Mittlerweile ist "The Sugar Lab" seit einem halben Jahr ein Vollzeitjob für das Ehepaar.

Die fragilen Zuckergebilde, die es auf seiner Seite präsentiert, sind beeindruckend. Ein Kuchen ist noch nicht dabei (wiewohl eine einen Meter hohe Hochzeitstorte bereits in Arbeit sein soll), aber faszinierende geometrische Formen, deren Erfinder die die schöpferische Freiheit des 3D-Drucks sichtlich mit Wonne auskosten.

Schon in den ersten zwei Monaten, so Liz von Hasseln, habe man "Hunderte von Anfragen" bekommen und arbeite derzeit mit einem Dutzend Kunden aus verschiedenen Bereichen vom Konditor über Hochzeitsplaner bis zum zusammen: "Die Leute sind fasziniert von dieser Schnittstelle zwischen Technologie, Essen und Kunst."

3D-Zuckerdrucker für Konditoreien

Die müssen allerdings ordentlich Geld mitbringen: Die fragilen Objekte, laut Angabe des Sugar Lab "passend für einen etwa 25 Zentimeter großen Kuchen", kosten derzeit zwischen ein paar hundert bis 1000 Dollar. Das Teure daran sei nicht die Produktion, deren Kosten sich in etwa die Waage mit üblichen Materialien wie Gips oder Kunststoff halten würden, sondern die Komplexität der Entwürfe und deren digitale Umsetzung.

Wenn die steht, dauert das Drucken, so Liz von Hasseln, etwa eine Stunde pro 2,5 Zentimeter Höhe. Über die Technik wollen die von Hasselns nicht viel verraten - der Prozess soll in etwa das Aushärten von Zuckerguss nachahmen, geschmeidig gemacht wird der Zucker zunächst mit Wasser und Alkohol, der dann verdampft.

"Das Aufregende am 3D-Zuckerdruck ist für uns, dass wir Zucker in ein strukturelles, skulpurales Medium verwandeln können", so Liz von Hasseln. Der gedruckte Zucker sei natürlich nicht so stabil wie Kunststoff, aber das sei ja auch nicht das Ziel: "Der Optimierungsprozess ist ganz anders als bei anderen Materialien. Die Leute haben Erwartungen, wie Essbares aussehen, schmecken und sich anfühlen sollte. Es ist ungemein wichtig, das zu berücksichtigen - sonst hat man ein cooles Design, aber es sieht einfach nicht nach Dessert aus."

Die Zuckerdrucker träumen nun davon, Konditoreien für individuell angefertigte Torten mit Druckern auszustatten. Derzeit sei man in Verhandlungen mit einem Partner, der dabei helfen soll, den 3D-Zuckerdruck einem "breiten Publikum" zugänglich zu machen - sowohl als Produkt als auch als Technologie.

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