Von Mirjam Hecking
mm.de: Kann man denn auch umgekehrt vorgehen und einen passenden Wein zum Essen suchen?
Bonnefoit: Ja das kann man. Aber es ist deutlich schwieriger. Die Möglichkeiten, den Wein geschmacklich zu verändern, sind begrenzt. Nur durch Temperatur, Dekantieren oder Lüften kann man etwas herausholen.
mm.de: Wie viele unterschiedliche Gläser braucht man als Weinliebhaber denn?
Bonnefoit: Für Rotwein mindestens zwei. Für kräftigere Weine größere Gläser mit hohem Kelch, bei dem der obere Teil des Glases nach innen geht. Das ist wichtig für das Schwenken des Weins. So kann man die Seiten des Glases benetzen. Einige Aromen sind nämlich schwerer, lösen sich erst durch schwenken - und lassen sich so besser wahrnehmen. Für leichtere Weine bieten sich etwas kleinere Gläser an.
Für Rosé kann man Weißweingläser nehmen. Man sollte jedoch darauf achten, nicht zu viel einzuschenken, damit der Wein nicht zu warm wird. Es gilt nämlich, immer den Unterschied zwischen Ausschank- und Trinktemperatur zu berücksichtigen. Wenn Sie einen Wein bei 14 Grad trinken wollen, müssen Sie ihn bei etwa elf Grad gelagert haben. Außerdem sollte man Gläser nie umgedreht im Schrank aufbewahren. Sonst nehmen die Gläser den Geruch des Schranks auf.
mm.de: Welcher Wein wird Ihrer Meinung nach am meisten unterschätzt?
Bonnefoit: Biodynamisch angebaute Weine, die kaum gespritzt und nur biologisch gedüngt und spontan gegärt sind. Die haben noch nicht den Stellenwert, den sie verdienen. Zwar brauchen sie länger, um sich zu entfalten. Und man sollte sie prinzipiell nicht vor dem Beginn des dritten Jahres nach der Lese trinken. Aber sie können sehr alt werden
mm.de: Und überschätzt?
Bonnefoit: Ganz klar Urlaubsweine. Da schmeckt oft der Wein, weil die Umgebung stimmt. Ist die weg, ist oft auch der Geschmack weg.
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