Von Ulrich Sautter und Stephan Reinhardt
Wein aus der Kiste
Von dem in der norwegischen Presse als "Sahara-Riesling" ("Wie kann ein derart trockener Riesling nur so gut schmecken?") gefeierten "pappviner" liefert Würtz in diesem Jahr 60.000 Liter ans Nordkap. Dort wird die Black Box für 339,20 Norwegische Kronen (etwa 43 Euro) verkauft, ist also kein Billigwein. Neuerdings gibt es sie auch bei der "Metro".
"Die Norweger nehmen das Kistchen mit auf ihre Yacht oder in den Wald und trinken den Wein beim Fischen oder Jagen", sagt Würtz. Acht Monate halte sich der Wein frisch in einem ungeöffneten Schlauch, erklärt er, und immerhin noch sechs Wochen, wenn er angebrochen sei. Denn der Zapfhahn lässt zwar Wein raus, aber keine Luft rein. Für Würtz ist der Schlauch damit das ideale Gebinde für Weine, die binnen weniger Monate getrunken werden sollen.
Für Minderwertiges sei das profan wirkende Gefäß aber ungeeignet, meint der Winzer: "In einen BiB kann man keinen mit Kohlensäure und Süße auf vordergründige Gefälligkeit geschminkten Wein füllen - die Gefahr des Nachgärens ist zu groß. Der Schlauch würde dann rund wie ein Fußball, ein sicheres Zeichen für verdorbenen Wein."
Zechen aus Tüten? Für den Kaiserstühler Winzer Wolf-Dietrich Salwey aus Oberbergen ist das ebenso wenig vorstellbar wie der Verzicht auf den Naturkorken, den er nach vielen Vergleichsproben noch immer für den besten Verschluss hält.
Damit das so bleibt, postiert er oberhalb der Füllstraße auf einer Art Balkon einen Mitarbeiter. Der muss jeden einzelnen Korken begutachten und jeweils entscheiden, ob und wenn ja mit welchem Ende - nämlich dem helleren, weil im dunkleren TCA lauern könnte - der Stopfen dem Wein zugeleitet wird. Die jeweils für tauglich befundene Seite wird dann kopfüber in den zur Abfüllanlage hinabreichenden Plastikschlauch gesteckt. 1500-mal pro Stunde.
Wenn Salwey des Korkens tapferer Ritter ist, dann ist die Münchner "Tantris"-Sommeliere Paula Bosch dessen erbarmungslose Rächerin. Sie listet konsequent fast alle Weine aus, die nicht mit Naturkork verschlossen sind: von den hier genannten haben allein Beckers Glasstopfen-Rieslinge eine Bewährungschance erhalten. Ansonsten aber hält Bosch die Alternativverschlüsse für qualitativ minderwertig und für den von ihr gepflegten "High-End-Bereich" indiskutabel: "Wir sind doch keine Versuchsküche!"
Boschs Kollegin Dagmar Willich vom Hamburger Louis C. Jacob ist Korkalternativen gegenüber aufgeschlossen, vielmehr: Sie zieht Glas und Stelvin dem Natur- wie auch dem Synthetikkork vor. "Wer, wenn nicht wir, die täglich Weine probieren und mit Weinfreunden im persönlichen Kontakt stehen, könnte besser Aufklärung leisten?", fragt sie rhetorisch.
© manager magazin online 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH