Von Ulrich Sautter und Stephan Reinhardt
Auf dem Weingut Tesch in Langenlonsheim an der Nahe kommt gerade eine Charge einfachen Rieslings in die Flaschen, der so sachlich heißt, wie er schmeckt: 1 Liter Riesling trocken. Die Abfüllanlage ist neu, Martin Tesch hat sie mitentwickelt, denn verschlossen wird der Literwein mit dem Stelvin Lux. Das ist der weltweit erste Schraubverschluss, der nicht wie ein Schraub- oder irgendein anderer Verschluss aussieht, sondern wie eine Kapsel - weil sich das sonst sichtbare Drehgewinde beim Luxus-Stelvin innen befindet.
"Das Nonplusultra der Flaschenverschlüsse", glaubt Tesch, dessen Weingut seit zwei Jahren korkfreie Zone ist. Um seine Kunden mit auf die Reise vom Kork zum Gewinde zu nehmen, begleitet er sie mit der ironisch-witzigen Imagekampagne "Tesch dreht auf".
Auf kleinen bunten Kärtchen wird die Götterdämmerung des Korks vorgeführt. Eine Zeichnung zeigt einen in die Wand gedrehten Korkenzieher, an dem eine Joppe hängt. Darunter steht zu lesen: "Schöner Wohnen".
"Der Drehverschluss ist optisch, haptisch wie auch praktisch nicht zu schlagen", sagt der promovierte Mikrobiologe Tesch. Alles Komplizierte halte die Menschen nur davon ab, Wein zu trinken, etwa eine Flasche, zu der man erst den Korkenzieher suchen muss. "Aufdrehen, Spaß haben - das ist die Botschaft."
"Ob ein Wein ankommt oder nicht, hat vor allem mit Psychologie und Emotion zu tun, es gibt so viele romantische Trinker", bedauert Patrick Johner vom Gut Karl H. Johner in Bischoffingen am Kaiserstuhl. Für ihn und seinen Vater Karl-Heinz zählen bei der Weinerzeugung hingegen ausschließlich rationale, die Weinqualität fördernde Argumente.
Daher gibt es auch für sie zum Stelvin-Lux keine Alternative - schon gar nicht den romantischen Korken. Der "Schraubi". so Patrick neu-badisch, habe alle Eigenschaften, die ein perfekter Verschluss aufweisen müsse: "Er ist geschmacksneutral und absolut gasdicht, er hält den Wein sehr lange frisch, ist wiederverschließbar und verursacht niemals Korkschmecker."
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