Von Ralf Frädtke
Schon Zino Davidoff war überzeugt: Havannas werden mit der Zeit immer besser, wie gute Bordeaux. Gemeint sind Exemplare, die jahrelang in Humidoren und klimatisierten Räumen lagern, damit sie sich geschmacklich entwickeln. Besonders die 'vintage cigars' aus der Zeit vor der kubanischen Revolution (1959) und Jahrgangseditionen sind bei Sammlern begehrt; bei Auktionen in London, New York oder Hongkong erzielen die Raritäten Traumpreise.
Aber schmecken die Gereiften wirklich besser, oder bedeutet der Kult um sie viel Rauch um nichts? Eine Jury des "Feinschmecker" aus acht Zigarrenexperten und -kennern traf sich in Stuttgart zur Vertikalprobe - also zur Verkostung jeweils mehrerer Jahrgänge derselben Marke - von zehn Havanna-Raritäten aus drei Jahrzehnten.
Havannas gelten zu Recht als die edelsten Zigarren der Welt. Sie werden aus den besten Tabaksorten gerollt und haben eine faszinierende Vielfalt von Aromen. Die Jury probierte drei Formate aus verschiedenen Jahrgängen der Spitzenmarken Bolivar, Cohiba und Sancho Panza. Die dicke Coronas Gigantes (Bolivar), die schlanke Coronas Especiales (Cohiba) und die mittlere Molinos (Sancho Panza) zählen zu den Grands Crus unter Kubas Handgerollten.
Ein lebhaftes Gaumenspiel
"Aber nicht jede Zigarre braucht Zeit, um sich zu entwickeln. Manche entfaltet ihr volles Aroma von Anfang an", sagt Hannes Weiss. Der passionierte Havanna-Liebhaber und Spezialist für Mikro- und Sensortechnik hat sich einen vollklimatisierten begehbaren Humidor eingerichtet, der in der Smoker-Szene berühmt ist. Dort lagert er Dutzende Kisten mit Zigarren aus mehreren Jahrzehnten.
Die Molinos von 2001 wirkt hingegen unausgereift ("grasige Noten, markantes Nikotin") und macht auch wenig Hoffnung für ihre weitere Entwicklung: Das Glanzstück der ersten Verkostungsrunde ist dann die 1995er Molinos. Sie wirkt subtiler als die jüngeren Jahrgänge, mit einem seidigweichen, vollen Geschmack. Aber sie hat ihren Zenit erreicht. Weiteres Reifepotenzial? "Nein", finden die Experten.
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