Inhaltsstoffe bestimmen die Haltbarkeit
Brügesch empfiehlt, Flaschen einer Partie im Karton zu lassen. Für Einzelflaschen ist ein einfaches Regal der geeignete Aufbewahrungsort. Keinesfalls gehören Weißwein, Sekt oder Champagner wochenlang in den Kühlschrank. "Der Wein wird tot gekühlt", erläutert Geisel.
Für Kellermeister Rolf Münster von der Winzergenossenschaft Mayschoß-Altenahr in Mayschoß (Rheinland-Pfalz) liegt die ideale Temperatur bei 12 bis 15 Grad. Grundsätzlich gelte die einfache Regel: Je höher die Umgebungstemperatur ist, desto schneller reift der Wein.
Doch nicht jeder Wein hat das Zeug dazu, jahrelang im Karton oder im Regal auf seine große Stunde zu warten. "Alltagsweine und Literweine sind dazu gemacht, um im ersten Jahr getrunken zu werden", betont Martin Kucher von Martin's Weindepot in Darscheid in der Eifel. Auch alles, was perlt und schäumt, schmeckt mit Ausnahme von Champagner und anspruchsvollem Winzersekt im ersten Jahr der Abfüllung am besten.
"Weine sind umso länger haltbar, je höher der Gehalt an Alkohol, Restzucker, Säure und beim Rotwein an Gerbstoff ist", erklärt Büscher. "Dabei kommt es auf die Summe der Inhaltsstoffe an." Edelsüße Spezialitäten wie Trockenbeerenauslesen und Eisweine besitzen das Potenzial zum jahrzehntelangen Reifen. Auch im Holzfass ausgebaute hochwertige Rotweine brauchen nach der Abfüllung in der Regel noch etliche Jahre bis zu ihrer Vollendung.
Sollen Jubiläumsweine oder Spitzenweine über Jahrzehnte aufgehoben werden, rät Geisel zu einem Klimaschrank. "Am idealsten ist ein Schrank mit einer Klimazone von 13 bis 14 Grad, in der alles lagern kann. Da kann man nichts falsch machen." Vor dem Servieren werden Weißwein, Sekt oder Champagner im Kühler herunter gekühlt. Rotwein wird durch das Dekantieren recht schnell auf die höhere Trinktemperatur gebracht.
Wer die Anschaffung des Profiteils scheut oder in der Wohnung keinen Platz dafür hat, kann sich mit Freunden zusammentun und seine "Schatzkammer" in deren Keller auslagern. Allerdings sollten dort weder Heizungsrohre verlaufen noch Öltank, Farbeimer oder andere Chemikalien stehen. Inzwischen haben Weinprofis die Not mit den fehlenden Kellerräumen erkannt und bieten Abhilfe. So lagert Martin Kucher in seinem Weindepot auch die Flaschen von Kunden.
Heidemarie Pütz, DPA
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