Bad Mergentheim/Mainz - Weine brauchen zum Lagern keinen Schlosskeller. Selbst wenn der kleinste Kellerraum fehlt, muss nicht auf einen Vorrat an Flaschen verzichtet werden. Meist bietet das kühlste Zimmer der Etagenwohnung gute Bedingungen für ein kleines Depot der Lieblingsweine. Wer allerdings seinen Hochzeitswein, den Geburtsjahrgang des Kindes oder Raritäten sammeln will, sollte bei Freunden im Keller auslagern oder seine Sammelstücke einem Fachhändler anvertrauen.
Es gibt viele Gründe, sich ein paar Flaschen guten Weines aufzubewahren. Nicht zuletzt, um genug von der Lieblingssorte vorrätig zu haben. Einiges gilt es allerdings zu beachten, damit der Rebensaft auf Dauer keinen Schaden nimmt.
Wenn Otto Geisel gerufen wird, geht es meist um horrende Schäden in Weinkellern oder Erbstreitigkeiten um kostbare Weindepots. Der Experte aus Bad Mergentheim ist der einzige "öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige für Weinbewertung" in Deutschland. Besonders gern hilft der passionierte Weinkenner allerdings bei der Frage von Sammlern, ob im gut bestückten Keller die Bedingungen für die erlesenen Tropfen optimal sind.
Doch auch ohne idealen Kellerraum hält der gelernte Koch und Hotelier ein kleines Weinlager für möglich. "Viele Wohnungen haben einen Raum zur Schattenseite hin mit akzeptabler Luftfeuchtigkeit", erklärt er. "Wird Wein dort liegend gelagert, schafft er es drei bis fünf Jahre.
Extreme Temperaturschwankungen vermeiden
Das Wichtigste ist, dass der Naturkorken feucht gehalten wird. Die Temperatur ist zweitrangig." Verkorkte Flaschen müssen liegen, damit der Naturverschluss ständig von Wein umgeben ist und nicht austrocknen kann.
Allerdings haben seit einigen Jahren manche Winzer auf Kunststoffkorken, Schraubverschlüsse oder neuartige Glasstopfen umgestellt. "Diese Flaschen brauchen nicht liegend aufbewahrt zu werden", sagt Ernst Büscher vom Deutschen Weininstitut in Mainz. Während Schraubverschlüsse vornehmlich für trinkfertige Literweine benutzt werden, findet sich der künstliche Korkenersatz in der Regel bei Basisqualitäten. "Sie sollten innerhalb von zwei bis drei Jahren getrunken werden."
Was seine Lagertemperatur angeht, ist Wein nicht besonders anspruchsvoll. "Sie sollte nicht kälter als sechs und nicht wärmer als 22 Grad sein", sagt Hans-Henning Brügesch vom Mövenpick Weinland in Hamburg. Kein Wein mag Extreme, seien es Sonnenlicht oder große Temperaturschwankungen. Flaschen, die Licht und Hitze abbekommen, verlieren rapide an Geschmack.
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