Wie der Rheinwein das Seinige tat
Damals entwickelte sich Bacharach zum wichtigsten Weinmarkt am Mittelrhein. Hier wurde neben heimischen Weinen auch Rebensaft aus anderen deutschen Landen gehandelt. Wegen der gefährlichen Klippen im so genannten Binger Loch wurden die Fässer auf dem Landweg oder mit kleinen Schiffen bis nach Bacharach transportiert.
Unter der Namen "Bacharacher" verkaufte sich der Wein bis nach England und Skandinavien. Als im 19. Jahrhundert das romantische Rheintal zur Modelandschaft der Bildungsbürger wurde, tat der Rheinwein das Seinige dazu, die damaligen Touristen euphorisch zu stimmen.
Auf den 120 Flusskilometern zwischen Bingen und Bonn gedeihen zu mehr als 80 Prozent Rieslingtrauben. Vorwiegend auf Schiefer gewachsen, bringen sie mineralisch betonte Rieslinge mit einer rassigen Säure - Weine, die als typisch rheinisch gelten.
"Das kann niemand kopieren", sagt Lambrich. Zugunsten von Weiß-, Grau- und Spätburgunder wurde allerdings so manche exponierte Rieslinglage aufgegeben. "Jedoch nur dort, wo die Böden tiefgrundig genug sind", so der Fachmann. Die Rotweinfläche betrage inzwischen rund 12 Prozent, vorwiegend Spätburgunder.
Warum Heinrich Heine so weich gestimmt war
Im romantischen Rheintal wird das Zusammenspiel von Wein und Speisen groß geschrieben. Einer Vereinigung von Winzern und Gastronomen namens "Mittelrhein Momente" ist es zu verdanken, dass sich das Image des Rheinweins entschieden verbessert hat. Die Zeiten eines "Kegel- und Sauftourismus" sowie rummeliger Weinfeste mit billigen Massenweinen gehören der Vergangenheit an.
Ziel ist es auch, die Weinbergterrassen zu erhalten - nicht zuletzt, weil auf ihnen die besten Weine gedeihen. "Der Gast, der in unser Tal kommt, soll auf grüne und nicht verbuschte Hänge schauen", sagt Gastronom Harald Kutsche von "Mittelrhein Momente" in Kaub.
So wurden beispielsweise rund um die Feste Rheinfels oberhalb von St. Goar wieder Reben gepflanzt. Jedes Jahr im September kann im beeindruckenden Kellergewölbe der ehemals prächtigen Burg bei einer öffentlichen Weinverkostung nachvollzogen werden, warum der Dichter Heinrich Heine nach dem Genuss von Rheinwein so weich gestimmt war.
Von Heidemarie Pütz, dpa
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