Von Martin Scheele
mm.de: Wie schneiden Deutschlands Winzer ab?
Pigott: Deutschlands Anteil an der weltweiten Weinwirtschaft beträgt gerade mal 1,33 Prozent. Die Chancen seiner Winzer liegen darin, sich kleine Nischen zu suchen. Ich möchte den Namen Dr. Loosen aus Bernkastel (Mosel) nennen, der wunderbaren Riesling herstellt. Und Müller-Catoir aus Neustadt-Haard (Pfalz), wie auch Dönnhoff aus Oberhausen (Nahe). Bei diesen guten Produzenten muss auch ich extrem rechtzeitig bestellen. Komme ich eine Woche zu spät, sind die besten Weine weg.
mm.de: Lassen sich gute Weine auch im Supermarkt kaufen?
Pigott: Davon rate ich ab. Die Auswahl und die Präsentation in den Supermärkten ist schlecht. Es gibt praktisch keine Kontrolle der Qualität. Es wird häufig auch gar nicht überwacht, ob das was bestellt ist, mit dem übereinstimmt, was geliefert wird. Für die Käufer gilt: Übung macht den Meister. Probieren, probieren, probieren. Und natürlich Bücher lesen.
mm.de: Sie sollen ja viele Weinveranstaltungen vor Führungskräften aus der Wirtschaft abhalten.
Pigott: Das stimmt. Gerade in jüngster Zeit habe ich unglaublich viele Anfragen bezüglich Weinverkostungen aus den Chefetagen der deutschen Unternehmen erhalten. Manchmal wird die Weinzusammenstellung für ein Diner gewünscht oder ich veranstalte Weinproben oder Vorträge.
mm.de: Können Sie prominente Auftraggeber nennen?
Pigott: Bayer, die Deutsche Börse, HypoVereinsbank, ThyssenKrupp. Einige Unternehmen betreiben einen wahnsinnigen Aufwand. Zum Beispiel ThyssenKrupp. Ich habe eine Weinliste erstellt. Die Chefetage wollte prompt die Weine, die am schwierigsten zu bekommen waren. Für diese Art von Veranstaltungen scheint ein richtiger Trend zu entstehen.
mm.de: Worum geht es den Managern in der Diskussion?
Pigott: Die häufigste Frage ist: "Was kostet der Wein?" Was ich festgestellt habe: Günstigere Weine sind mehr gefragt. Dieser Personenkreis steckt ja bereits viel Geld in teure Autos. Viele Vorstände präferieren Preisregionen zwischen sieben und zehn Euro. Was soll ich dagegen sagen. Das ist Geschmackssache.
mm.de: Personen, die Sie engagieren, dürfen sich auch auf poetische Beschreibungen der Weine freuen ...
Pigott: Ja, durchaus. Ich habe einen schlechten Wein schon mal als das Ungeheuer von Frankenstein bezeichnet. Fast hätte ich aber ein interessantes Detail der Weißburgunder-Geschichte vergessen. Die Weißburgunder-Traube heißt ja in Frankreich Pinot Blanc. Im Burgund ist diese Rebsorte eigentlich verboten. Das war das Ergebnis eines Geheimabkommens der französischen Regierung und Elsässer Winzern nach dem Kriegsende. Ziel war es, die Elsässer einzubinden. Tatsächlich gibt es aber immer noch eine ganze Menge Burgund-Reben im Burgund, viele der Läger bestehen noch.
mm.de: Geben Sie uns noch einen Tipp?
Pigott: Probieren sollten Sie auf jeden Fall Weine von Daniel Vollenweider aus Wolf/Mosel (Telefon 0 65 41 / 81 44 33, weingut-vollenweider@t-online.de), der aus Graubünden stammt und beste Weinberge an der Mosel gekauft hat.
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