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25.12.2002
 

Interview

"Probieren, probieren, probieren!"

Von Martin Scheele

Ausgesuchte Weißweine erobern die Topgastronomie. Kritiker Stuart Pigott verrät, welche Kreszenzen im Trend liegen, worauf der Käufer achten muss, und wie viel Geld hochrangige Manager für gute Tropfen ausgeben.

mm.de:

Herr Pigott, wenn Sie nach Hause kommen, sollen Sie angeblich zu einem Bier greifen? Haben Sie abends keine Lust auf Rebensaft?

  "20 Euro sind die absolute Schallmauer."  - Weinexperte Pigott über Weißburgunder
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"20 Euro sind die absolute Schallmauer." - Weinexperte Pigott über Weißburgunder

Pigott: Das hat sich geändert. Meine Bierlust hat extrem nachgelassen, im Sommer genehmige ich mir gerne mal ein Hefeweizen. Aber ansonsten trinke ich wirklich gerne Wein.

mm.de: Weißweine insbesondere der traditionellen Rebsorte Weißburgunder liegen bei Käufern und Topgastronomen voll im Trend. Warum?

Pigott: Die Mode fing genau genommen schon vor 15 Jahren an, entwickelte sich aber ganz langsam. Weißburgunder schmecken zumeist rund und trocken. Der Eindruck der Leichtigkeit und der Geschmeidigkeit dieser Weine begeistert die Konsumenten.

mm.de: Lässt sich dieser Aufschwung auch in Zahlen messen?

Pigott: Seit den neunziger Jahren ist ein gewaltiger Weinboom festzustellen, der zu enormen Neupflanzungen führte. Heute gibt es einen Überschuss von 50 Millionen Hektoliter weltweit. Die Produktion von Weißburgunder in Deutschland stieg von 2500 Hektoliter in 1998 auf 2800 Hektoliter in 2001.

mm.de: Das heißt: die Preise sind im Keller?

Pigott: Ja genau, zumindest für Alltagsweine. Gute Weißburgunder sind für unter fünf Euro bis zehn Euro zu bekommen. Vor allem deutsche Produzenten liefern tolle trockene Weißweine. Mehr als 20 Euro muss man für exzellenten Weißburgunder nicht ausgeben, das ist die absolute Schallmauer.

mm.de: Zu welchem Essen würden Sie Weißburgunder servieren?

Pigott: Zu fast jedem. Ausgenommen sind extrem scharf gewürzte Speisen. Und sehr intensive Tomatensoßen, wegen der Säure der Tomaten.

mm.de: Worauf soll der Käufer achten?

Pigott: War lange Zeit der Jahrgang das wichtigste Qualitätsmerkmal, hat sich das heute geändert. Wichtiger ist mittlerweile der Ort der Herstellung. Die Rolle des Produzenten wird immer wichtiger.

mm.de: Unterscheidet sich die Qualität nach Anbaugebieten?

Pigott: Eigentlich ist sie überall gleich. Aber genau so wie es Erste-Klasse-Weine gibt, findet sich auch überall Schrott. Das ist eine große dumpfe Masse an Weinen, die zwar technisch in Ordnung sind, die aber dennoch wenig überzeugen. Letztlich ist das Traubengut entscheidend.

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