Mittwoch, 24. August 2016

Ski Grüner abfahren

Schneeweiß und grün passen gut zusammen - das finden immer mehr Wintersportausrüster. Sie setzen verstärkt auf Ökomodelle aus nachwachsenden Rohstoffen, um ihre naturaffine Kundschaft zu binden. Wie sinnvoll das ist, darüber gehen die Meinungen der Umweltexperten allerdings auseinander.

München - Nein, Skifahren ist nicht umweltfreundlich. Die meisten Wintersportler reisen mit Autos an. Für ihr Hobby werden Hänge mit Liften gespickt und Unmengen Wasser als Kunstschnee versprüht. Gleichzeitig lieben Wintersportler frische Luft und weißen Schnee - viele bezeichnen sich als Naturliebhaber. Das wissen die Ausrüster und zeigen in dieser Saison verstärkt Ökomodelle und -linien: Ski aus nachwachsenden Rohstoffen etwa oder Recycling-Schuhe. Das hört sich gut an. Ob sich die Umwelt so retten lässt, ist aber eine ganz andere Frage.

Auf den ersten Blick haben der milchigweiße Skischuh, die beigen Boots und das Snowboard nicht viel gemein. Es eint sie aber ein Material: In allen steckt Bambus, der schnell wächst und relativ leicht ist. Das machen sich die Hersteller zunutze. Salomon verwendet das Holz für die Snowboards SickStick und Ivy. Das Topsheet, mehrere Schichten und Seitenwangen bestehen aus Bambus. Dadurch sparen die Boards "nicht nur Gewicht ein, sondern auch zahlreiche nicht erneuerbare Stoffe wie Acryl, Harz und Glasfaser", erklärt Sprecher Philipp Nassel.

Beide Modelle gehören zur G.I.F.T.-Linie - die Lettern stehen für "Green Initiative For Tomorrow". Dazu gehören auch zwei Snowboard-Schuhe, der Dialogue und der Lily. Sie verfügen über ein Bambus-Fußbett, die Sohle wurde aus Reispflanzen und recyceltem Gummi hergestellt, im Schuh finden sich grüner Tee, Hanf und Leinen. Die Snowboard-Bindung Relay Pro schließt die Serie ab. Sie besteht maßgeblich aus Bioplastik und recycelten Materialien.

Einheimische Hölzer sind noch besser als Bambus

Neben Hölzern wie Pappel, Palisander, Ahorn und Walnuss ist Bambus für Arbor aus den USA schon seit vielen Jahren ein wichtiger Werkstoff. Beim Coda etwa besteht die Oberfläche aus Bambus, zwischen Tipp und Tail ziehen sich Bambuseinlagen. Das Del Rey hat ein Bambus-Inlay. Weil er so schnell nachwachse, sei Bambus besonders umweltfreundlich. Das stimmt, sagt Corinna Hölzel, Waldexpertin bei Greenpeace in Hamburg. Da Bambus in China und Indien in der Regel auf bereits kultivierten Flächen angebaut werde, gebe es bislang auch keine Probleme mit Raubbau. Trotzdem sollten ihrer Meinung nach immer einheimische Hölzer, die das FSC-Siegel für nachhaltige Forstwirtschaft tragen, erste Wahl sein. Denn wachsen die Bäume vor der Tür, reduziere das den Transport, was die Umwelt schont.

Rossignol beherzigt das. Der neue Frauenski Attraxion Echo hat einen Pappelholzkern aus kontrollierter Waldwirtschaft. Das Holz stammt aus Spanien, wo der Ski auch hergestellt wird. Die Leinenfasern im Ski kommen aus Frankreich. Um die Umweltbelastung gering zu halten, werden für die Ski weniger Farben und Verbundmaterialien eingesetzt. Der Belag besteht zu 25 Prozent aus Recyclingmaterial.

Ähnlich verfährt Völkl mit dem Tourenski Nanuq, der auf der Wintersportmesse "ispo" Anfang des Jahres mit dem neuen Umweltpreis "Eco Responsibility Award" prämiert wurde. Das Holz stammt laut Völkl aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern, für Belag und Kanten werden recycelte Materialien eingesetzt. Der Anteil giftiger Stoffe sei deutlich verringert worden. Völkl wurde für sein Gesamtkonzept ausgezeichnet, zu dem auch Wasseraufbereitung, Energieeinsparung und Abfallvermeidung gehören.

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