Montag, 19. November 2018

Dänische Weihnacht Tanz um den Baum

Fröhliche Weihnachten statt stille Nacht - in Dänemark ist die Heilige Nacht eine Zeit beschwingter Ausgelassenheit. Weihnachtsessen dauern gern schon mal drei Stunden, und damit keine Hektik aufkommt, fängt man schon am 23. Dezember mit dem Feiern an.

Flensburg - Papiersterne in den Landesfarben rot und weiß, dazu geflochtene Herztütchen und Nationalfahnengirlanden - an dänischen Weihnachtsbäumen ist Alltag, was in Deutschland undenkbar wäre. Trotz der Nähe haben sich Weihnachtsbräuche und -sitten im Norden Deutschlands und in Dänemark ganz unterschiedlich entwickelt.

Während in Deutschland vielerorts am geschmückten Baum gesessen und vom Naschteller probiert wird, tanzen die Dänen ausgelassen um den Baum herum. "In Dänemark setzt man zu Weihnachten mehr auf Fröhlichkeit", erzählt Gerret Liebing Schlaber, Archivar in der dänischen Zentralbibliothek in Flensburg.

Typisch deutsche Weihnachtslieder passten nicht in eine dänische Weihnachtsstube, erklärt Schlaber. "Die meisten dänischen Lieder sind flotter. 'Stille Nacht' ist im Dänischen eine Fehlübersetzung." So handelt eines der bekanntesten dänischen Weihnachtslieder von einem Wichtel (Nissen), der mit seiner Weihnachtsgrütze auf dem Dachboden sitzt ("På loftet sidder nissen med sin julegrød"). Die Nissen spielen in der dänischen Weihnachtszeit eine besondere Rolle - sei es als Baumschmuck oder als Kinderbuch.

Dänen lieben Weihnachtsmärkte

Vor der Bescherung müssen die Kinder nördlich der Grenze viel Geduld aufbringen: Das Weihnachtsessen kann an Heiligabend schon mal bis zu drei Stunden dauern, erst dann kommt die Bescherung. Das ausgedehnte Mahl steigere noch einmal die Vorfreude der Kleinen, sagt Erika Jentzen. "Die Kinder stehen im Mittelpunkt." Die Sachbearbeiterin der dänischen Zentralbibliothek feiert ihr Weihnachtsfest lieber in Dänemark als in Deutschland. "Es ist eine ganz andere Stimmung. Wir haben keinen Zeitdruck. Die Atmosphäre ist gemütlicher."

Während hierzulande alles auf den Heiligabend hinarbeitet, treffen sich viele dänische Familien bereits am Abend des 23. Dezember zu einem Beisammensein. "Dann ist auch der Baum schon geschmückt", betont Schlaber, der das jährliche Fest mit seiner Frau und den Kindern abwechselnd in Deutschland und in Dänemark begeht. In Deutschland wird der Weihnachtsbaum in vielen Familien traditionell erst am Heiligabend dekoriert.

Eines jedoch sei in Deutschland besonders schön, da sind sich Schlaber und Jentzen einig: die vielen kleinen und großen Weihnachtsmärkte in den Städten. "Das kennt man so in Dänemark nicht", sagt Schlaber. Viele Dänen kommen in der Weihnachtszeit über die Grenze, um die Weihnachtsmärkte auf der deutschen Seite zu besuchen.

Timo Lindemann, dpa

© manager magazin 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH