Sonntag, 28. August 2016

Kunst Der Maler-Macher

Amerikanische Sammler zahlen Höchstpreise für Bilder von jungen Malern aus Leipzig. Zu verdanken ist der Höhenflug vor allem dem geschäftstüchtigen Galeristen Gerd Harry Lybke.

Die Sonne streicht in breiten Strahlen durch das kleine von gläsernen Wänden abgetrennte Chefbüro in dem alten Haus in der Auguststraße in Berlin-Mitte. Ein Tisch, zwei Stühle, Notebook, Telefon, mehr nicht: Gerd Harry Lybke (44), von Freunden Judy genannt, trägt einen sonnengelben Nadelstreifenanzug. Er ist guter Dinge. Wie immer, wenn er in diesen Tagen über die Künstler seiner Galerie redet, leuchten und lachen die Augen aus dem runden, rötlich beflaumten Gesicht. Lybkes Gesamtgemütslage: sonnig und heiter.

Hinter den Kulissen: Gerd Harry Lybke begann als Modell für Maler und ist heute Deutschlands erfolgreichster Galerist
"Es ist eine große Sehnsucht nach Malerei da gewesen, gerade in den vergangenen Jahren", sagt er, auf der Suche nach einer Erklärung für den Erfolg, den er und die Künstler seiner Galerie Eigen + Art zurzeit haben. Die meisten Maler hätten diese Sehnsucht aber nicht mehr bedient.

"Und dann", fügt er hinzu, "hat es da diese Leute in Leipzig gegeben, denen man wohl nicht gesagt hatte, dass Malerei nicht mehr sexy sei. Und die deshalb immer weitermalten, gerade so, als ob man mit Malerei noch Mädels bekommen könnte." Und auf einmal sind die Deppen von gestern die Leinwandhelden von heute. Vornweg Neo Rauch, ihm nach die jungen Maler aus der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst: Tim Eitel, Martin Kobe, David Schnell oder Matthias Weischer, alle zwischen 32 und 37 Jahre alt.

Sie können nicht nur Mädels haben, sondern auch Interviews in den angesehensten Magazinen, Ausstellungen in den feinsten Museen, Dollar von den reichsten Sammlern. Die Leipziger erleben einen Erfolg in der internationalen Kunstszene wie selten zuvor junge Maler aus Deutschland.

Schwermütige Figuren- und Landschaftsmalerei, klaustrophobisch gestimmte Raumbilder, möglichst in düsteren Farben, bevölkert von ziel- und sinnlos agierenden Gestalten - all dies gilt als besonders schick und angesagt in Sammlerkreisen weltweit.

Vorreiter: Der Leipziger Maler Neo Rauch
Gekauft - etwa von Guido Westerwelle - werden allerdings auch die höchst munteren, im Stil des Sowjet-Pop gepinselten Knabenbilder eines Norbert Bisky, Sohn des Chefs der Linkspartei. Oder die plakativen Bildspiele eines Eberhard Havekost. Es wird gekauft, was die (ost-)deutschen Ateliers hergeben.

"Die Reichen können nichts Besseres mit ihrem Geld anfangen", ätzte jüngst das "SZ-Magazin" über den Hype in Sammlerkreisen: "Das Sammeln von Kunst bedeutet sozialen Aufstieg für Millionäre." Ist es wirklich so einfach? So viel ist gewiss, die Malerei aus dem Osten hat sich auf dem Kunstmarkt etabliert. Bilder des Vorreiters Neo Rauch kosten zwischen 120.000 und 180.000 Euro, die seiner jungen Nachfolger zwischen 4000 und 60.000 Euro. Interessenten stehen Schlange. Wer etwa ein Bild von Rauch will, muss sich bis 2008 gedulden.

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