Mittwoch, 14. November 2018

Alsterhaus Hanseatisches Harrods

Nach zwei Jahren Bauzeit ist das Hamburger Alsterhaus offiziell wieder eröffnet worden. manager-magazin.de besuchte den Konsumtempel, der, wie KarstadtQuelle-Chef Thomas Middelhoff frohlockt, einen Vergleich mit Harrods und den Galeries Lafayette nicht scheuen muss.

Hamburg - "Schau mal, Elvira", staunt Marion Aalders. "Schau dir das mal an!", sagt die Rentnerin und tippt ihrer Freundin auf die Schulter. Elvira Stehr, eine ältere Dame in Blümchenbluse dreht sich um. "Oh ja, alles für den Herrn", freut sie sich beim Blick auf einige edle Herrenanzüge. "Das ist aber schick!", sagt sie und streicht mit den Fingern über den Stoff eines schwarzen Smokings. "Je eleganter, je besser!", sagt sie verzückt.

"Je eleganter, je besser!": Fassade des Alsterhauses
"Je eleganter, je besser!": Fassade des Alsterhauses
Früher hat sich Marion Aalders an der Kasse erst gar keine Tüten geben lassen. "Die gab es in allen Farben. Das sah schrecklich aus", sagt sie. Das neue Outfit, ein türkises Douglas-Täschchen und eine beige Alsterhaus-Tüte gefällt der Rentnerin schon viel besser. Auch die Kleidung der Angestellten macht auf die beiden Damen Eindruck. "Dieses einheitliche Schwarz macht schon etwas aus", sagt Marion Aalders. "Alle sind auch freundlicher", fügt ihre Begleiterin hinzu.

Für Alsterhaus-Geschäftsführerin Claudia Leske gehören die zwei Damen zu eben jener Zielgruppe, die sie mit ihrem neuen Geschäftskonzept erreichen will. "Unsere Studien haben ergeben, dass 80 Prozent der Karstadt-Kunden gezielt einkaufen und 80 Prozent der Alsterhaus-Kunden gezielt shoppen gehen", sagt sie. "Wir sind letztlich ganz anders positioniert als unsere Konzernmutter. Wir sind eine eigene Marke wie das KaDeWe".

In diese Marke und ihren Umbau hat der KarstadtQuelle-Konzern rund 35 Millionen Euro investiert - und das nicht ohne Grund. "Das neue Alsterhaus ist ein signifikanter Baustein in der strategischen Neuausrichtung unseres Warenhausgeschäftes", sagte KarstadtQuelle-Chef Thomas Middelhoff anlässlich der Eröffnungsfeier Anfang September.

"Mit dieser hochwertigen Ausrichtung positioniert sich das Alsterhaus in der gleichen Liga wie Harrods in London, die Galeries Lafayette in Paris oder unser Kaufhaus des Westens in Berlin", sagte der Konzernchef und kündigte auch eine mögliche Ausweitung des Luxuskonzepts in andere Metropolen bis nach Shanghai an.

Freude für Augen und Ohren: Schwarzer Flügel im Foyer des Erdgeschosses Sternenehimmel im Speisesaal: Blick auf die Glasdecke in der Alsterhauskantine "LeBuffet" Weinabteilung im vierten Obergeschoss: Nach Anbauregionen geordnet

Ein Bummel durch das neu gestaltete Alsterhaus
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Sportartikel, Technik und Schnäppchenmärkte haben im neu gestalteten Alsterhaus keinen Platz mehr. "Wir mussten uns unsere Kernkompetenzen verdeutlichen", sagt Geschäftsführerin Leske. "Im Fashion- und Beauty-Bereich sind wir zum Beispiel stark." Dass auf den insgesamt 24.000 Quadratmetern Verkaufsfläche inzwischen eben genau dieses Fashion- und Beauty-Erlebnis im Mittelpunkt steht, wird schon beim Öffnen der hohen gläsernen Eingangstüren deutlich.

Zunächst weht dem Besucher kühle Luft, dann ein zartes Wölkchen aus Puder und Parfum entgegen. Schließlich offenbart ein Blick in die große Halle mit den von grünem Marmor ummantelten Pfeilern, für wen das Kaufhaus an der Alster umgestaltet wurde. Zwischen den breiten Gängen und den großen goldenen Blumenkübeln besprühen schwarz gekleidete Damen mit kleinen glänzenden Namensschildchen Parfumteststreifen aus lila glänzendem Stoff, bedienen Visagisten mit Rougepinseln und Kajalstiften Frauen, die Lockenwickler im Haar haben, oder sitzen rosa gekleidete Nagelpflegerinnen mit rosa Gummihandschuhen an weißen Tischen und umschmeicheln mit ihren rosa Manikürestäbchen die Hände ihrer Kundinnen.

In der Mitte des Hallenkarrees unter der hohen Decke wischt eine Angestellte mit einem Staubwedel über den schwarz lackierten Flügel, der direkt unter dem Sichtauge steht, ein Oval, durch das man vom Erdgeschoss aus das bunte Glasdach im vierten Obergeschoss sehen kann.

Stimmen, Kassengeräusche und klingelnde Telefone vermischen sich. Über einen der Gänge stöckelt eine Frau auf zweieinhalb Meter langen Stelzen, orangem Kleid und Federhut. Kaufhausbesucher drehen sich nach ihr um und tuscheln miteinander. Manchmal beugt sie sich zu einem Besucher herab und fragt: "Hello, how are you?". In diesem Moment tönt leise ein Saxofon von der Galerie in der ersten Etage - George Gershwins Stück "Summertime" aus dem Jahr 1935. Ein Jahr später wurde das "Warenhaus Hermann Tietz" in "Alsterhaus" umgetauft.

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