Samstag, 24. Juni 2017

Golf im Büro Bankers schneller Put

In Frankfurter Bürotürmen findet eine skurrile Pausenbeschäftigung Freunde: Golf spielen zwischen Stuhlbeinen und unter Konferenztischen. Zwei Aktienanalysten der Privatbank Sal. Oppenheim haben sogar gerade eine kleine deutsche Meisterschaft gewonnen.

Frankfurt - Die Banker Patrick Juchemich und Metehan Sen spielen den Ball mit dem Putter zwischen Stuhlbeinen, Papierkörben und Tischen ins Loch. "Büroboden ist viel schneller als Rasen", beschreibt Sen (34) eine der Schwierigkeiten dabei. "Es ist wichtig, das richtige Distanzgefühl zu bekommen", ergänzt Juchemich (36), der sonst weder Golf noch Minigolf spielt. Die beiden Aktienanalysten der Privatbank Sal. Oppenheim in Frankfurt sind die Deutschland-Sieger im Bürogolfen.

"In Deutschland eher ironisch": Patrick Juchemich (li.) und Metehan Sen in einem Konferenzraum der Privatbank Sal. Oppenheim in Frankfurt
"In den USA ist Office Putting (Bürogolfen) ein weit verbreiteter Sport, in Deutschland ist das noch eher ironisch", berichtet Sen, der in seiner Freizeit gelegentlich auf einen Golfplatz geht. "Das wird aber mal so populär wie der Challenge-Lauf." An dem 5,6 Kilometer langen JP-Morgan-Chase-Corporate-Challenge-Lauf durch die Frankfurter City hatten sich im Juni 2004 mehr als 51.000 Beschäftigte von 1800 Firmen aus ganz Deutschland beteiligt. "Das ist der moderne Hürdenlauf im Büroalltag", scherzt Sen.

Beim Deutschen Golf Verband ist die Bürovariante des Spiels kein Thema. "Office Putting ist die Fun-(Spaß-)Variante des Golfs", heißt es beim Veranstalter des Deutschland-Wettbewerbs. Für Sen und Juchemich war der Griff zum Golfschläger im Büro zunächst auch nicht mehr als ein Gag: Kollegen hatten in der Vorweihnachtszeit nach der Lektüre einer Zeitungsanzeige, in der für den Wettbewerb geworben wurde, beschlossen: "Wir gehen nicht auf den Weihnachtsmarkt, sondern spielen abends Golf im Büro."

"Abends und am Wochenende ein bisschen üben"

Mit ihrem Ballgefühl stellten Juchemich und Sen ihre Kollegen bei der Büroentscheidung zwischen 19.00 und 21.00 Uhr schnell in den Schatten, später wurden sie Regionalsieger. Aus dem bundesweiten Finale im neuen gläsernen Hochhaus Kranzler-Eck am Kurfürstendamm in Berlin gingen sie am vergangenen Wochenende als Champs hervor. "Ein bisschen üben abends und am Wochenende" habe genügt. Beschäftigte von mehr als 100 Unternehmen hatten sich nach Angaben der Veranstalter um diesen Titel bemüht.

Ziel ist es, den Ball mit wenigen Schlägen in ein Golfloch zu schlagen, schreibt der Veranstalter. Berührt der Ball einen Papierkorb, ein Tischbein oder die Wand, wird dem Spieler ein Strafschlag zu den absolvierten Schlägen hinzugerechnet. Bis zu zwei Stunden dauert eine Runde mit neun Löchern. Die Bahn verläuft zwischen Pflanzen und Schränken durch mehrere Büros und Flure, wie die Deutschland-Sieger berichten. Zuvor gibt ein Profi den Platzstandard für die Büroetage vor. "Man muss sich enorm konzentrieren", sagt Sen. "Der Schlag muss genau richtig da sein."

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