Samstag, 17. November 2018

Kamerahandys Spannen und Spionieren

2. Teil: Schock und Erlösung

3. Akt - Schock: Fotohandys als Spannerspielzeug

Das heißt, ein paar "Early Adaptors", also Erstanwender, gibt es natürlich schon. Die konzentrieren sich aber auf die falschen Motive. So sah sich Australiens "Christlicher Verband junger Menschen" (YMCA) und der Bundesverband deutscher Schwimmmeister nun dazu genötigt, vor einem Missbrauch von Fotohandys durch Voyeure in öffentlichen Bädern zu warnen.

Mobile Allzweckwaffe: Der YMCA warnt vor Spanner-Schnappschüssen
Es gehe nämlich derzeit die Unart um, per Kamerahandy in Umkleidekabinen hineinzuspähen und das unsittliche Ergebnis in Echtzeit auf andere Telefone, beziehungsweise ins Internet zu verschicken.

Und es kommt noch schlimmer: Samsung, einer der weltweit größten Handyhersteller, hat nun sogar die Benutzung der eigenen Produkte in seinen südkoreanischen Fabriken verboten. Der Elektronikkonzern fürchtet sich vor Industrie-Spionage.

"Die Verwendung der Geräte ist in einigen unserer sicherheitsempfindlichsten Entwicklungszentren ganz untersagt", heißt es dort. Auch BMW und BASF verfahren auf diese Weise.

4. Akt - Erlösung: Fotohandys unterentwickelt

Dennoch geben sich Handyhersteller und Mobilfunkbetreiber angesichts der unappetitlichen Angelegenheit gelassen. "Den Missbrauch von Fotohandys durch einige wenige verurteilen wir natürlich", so Heiko Witzke von Vodafone Börsen-Chart zeigen. Nicht ohne aber darauf hinzuweisen, dass das Problem grundsätzlich bei Kameras ganz allgemein liege. Einerseits.

Andererseits und ganz plötzlich seien die superschönen und tollen Telefone mit eingebauter Linse gar nicht mehr so toll und superschön, wie die Hersteller sonst immer lobpreisen. Die Auflösung tauge gerade einmal für die Darstellung auf anderen Handys oder in Postkartengröße auf dem Computermonitor, stapelt etwa Nokia Börsen-Chart zeigen tief.

Konkurrent Siemens Börsen-Chart zeigen packt sogar noch einen drauf: "Bei unseren Telefonen müssen Sie die Kamera sogar extra anbringen. Dazu kommt ein Blitzlicht und ein hörbares Auslösegeräusch", sagt Unternehmenssprecherin Anja Klein. "Deswegen sollte man bei der aktuellen Handygeneration auch eher von Schnappschusshandys sprechen."

Recht haben sie, die Handyproduzenten. Ihrer Dialektik zufolge haben moderne Kameratelefone im Grunde die Größe eines Bierkastens, die Tiefenschärfe von Milchglas und die Lautstärke einer Autohupe. Wie man damit ernsthaft spannen und spionieren will, bleibt ein Rätsel. Nicht nur in den Augen der Hersteller.

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