19.10.2009
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Schreibkultur

Die Entdeckung der Langsamkeit

Von Mirjam Hecking

2. Teil: Wertschätzung in Tintenblau

Und auch persönliche Post wird immer seltener. Nur noch 7 Prozent der verschickten Briefe gehen heutzutage von privat an privat. Vor acht Jahren waren es laut Post noch 10 Prozent. Die Handschrift des Vorgesetzen, von Geschäftspartnern und Kollegen erkennen heutzutage nur noch die wenigsten.

Dementsprechend groß ist die Wirkung, wenn man zur Feder greift oder greifen lässt. Ob Pariser Prêt-à-Porter-Schauen, edle Geschäftsdinners oder die kleine, private Einladung - wer handschriftlich - womöglich professionell kalligrafiert - einlädt, ist sich der Aufmerksamkeit sicher.

"Ein handgeschriebener Brief ist nicht nur ein Brief, sondern eine postalische Wertschätzung", fasst die Wiesbadener Schriftkünstlerin Petra Beiße die Bedeutung von Handschrift zusammen. Eine Meinung, die auch der Bingener Kommunikationsberater Hasso Mansfeld vertritt, der als Autodidakt selbst Kurse anbietet. "Schrift gibt der Botschaft noch eine weitere Dimension", sagt er: "Nämlich die Form."

Im Geschäftsbereich erlebt die Handschrift derzeit ein Revival. Immer mehr Unternehmen - von der Sparkasse zum Großkonzern - rufen ihre Mitarbeiter mittlerweile dazu auf, bei besonderen Anlässen oder Kurzmitteilungen an die Kunden selbst zum Füller zu greifen. Denn das, so die Erfahrung, schafft Vertrauen und ist ein Zeichen von Wertschätzung. "Das Medium ist die Nachricht", befand schon der Kommunikationswissenschaftler Marshall McLuhan.

Aber auch abseits professioneller Kalligrafie wächst das Interesse an Schrift. "Die Bemühungen, die eigene Schrift zu pflegen, nehmen spürbar zu", sagt Designerin Petra Beiße, die als Schriftcoach Grafiker, Werber und zunehmend auch Manager schult und regelmäßig für Großunternehmen und Verlage entwirft.

Tatsächlich sind noble Füller und hochwertige Schreibaccessoires derzeit gefragt wie lange nicht. "Gekauft werden vor allem sehr individuelle und edle Stücke", sagt Vera Marisa Schober vom Schreibwarengeschäft Bethge in Hamburg. "Es gibt ein bestimmtes Publikum, das klar differenziert. Die schreiben zwar auch E-Mails - aber privat und bei wichtigen Angelegenheiten wird wieder immer mehr der Füllfederhalter gezückt."

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