19.10.2009
Twitter GooglePlus Facebook

Schreibkultur

Die Entdeckung der Langsamkeit

Von Mirjam Hecking

Ob Smartphone, iPhone und Blackberry - kommuniziert wird heutzutage vor allem digital. Handschriftliches ist zur absoluten Seltenheit geworden. Oft gibt nur noch die Unterschrift einen Eindruck vom Menschen hinter den Zeilen. Grund genug für immer mehr Manager, an ihrer Schrift zu feilen.

Hamburg - Immer wieder gleitet der schwere Füller aus Sterlingsilber über das Blatt, ein blaues K, dann noch ein K, noch eins und noch viele weitere - bis der Buchstabe endlich sitzt - elegant im Anstrich, mit optimalen Proportionen, sanft geschwungen und geschmeidig im Abgang.

"Sie müssen den Schwung zähmen", "schlank lassen und dann entgegensteuern", gibt Kalligrafin Karin Bauer ihrem Eleven leise aber bestimmt Anweisung. Dabei führt sie selbst einen Bleistift schwungvoll über das Papier, um zu zeigen, wie sich der Buchstabe am elegantesten in das Schriftbild einfügen lässt.

Bauers Schüler ist tief in die Materie versunken. Immer wieder probiert der Manager im schmal geschnittenen dunkelblauen Anzug neue Varianten, wandelt den Anstrich ab, den Schwung, die Linienführung - bis ihm das Resultat gefällt. "Ich wäre nicht traurig, wenn das jetzt ein Erkennungszeichen meiner Schrift würde, diese strenge Serife", sagt er, lehnt sich zurück und rückt seine Hornbrille gerade.

Seit ein paar Wochen kommt Christian Rauch regelmäßig zu Karin Bauer. Er sitzt für eine Stunde mit der zarten dunkelhaarigen Kalligrafin am mit einer durchsichtigen Plastikfolie bedeckten Esstisch und macht zwischen kalligrafierten Rilke-Gedichten und unzähligen mit Federn, Pinseln und Stiften gefüllten Behältnissen Schreibübungen.

"Ich habe immer gerne geschrieben, um meine Freundinnen mit Briefen geworben und auch Buchstaben verändert, die mir unsympathisch waren", erzählt Rauch, der beim Luxuskonzern Montblanc für den Bereich Schreibkultur verantwortlich zeichnet. "Handschrift ist Hinwendung", ist er überzeugt.

Handschriftlich verfassen heutzutage viele - wenn überhaupt - nur noch den Einkaufszettel. Statt einer Kurznotiz "pingt" man seine Kollegen per Messenger an, schreibt E-Mails statt Briefe und selbst die Telefonnummer tippt man heute meist direkt ins Handy, statt sie wie früher im Adressbuch zu notieren.

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • deli.cio.us
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

© manager magazin online 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH












Service
manager-magazin-AbonnementAbo-Service
Angebote von A bis ZAngebote von A-Z
Ihr persönliches DepotDepot
Twitter-FeedsTwitter-Feeds
manager magazin mobilmm mobil
Partnerangebote
Analysieren Sie online Ihren Standort im Vergleich zu den Besten mit CONTOR-REGIOContor-Regio:
Analysieren Sie
online Ihren Standort
Seminarmarkt: Tanken Sie KarrierewissenSeminarmarkt:
Tanken Sie Karrierewissen
GehaltsCheck: Verdienen Sie genug?GehaltsCheck:
Verdienen Sie genug?
Handytarife: Finden Sie den passenden TarifHandytarife:
Finden Sie den passenden Tarif
Medführer: Finden Sie Ihren Arzt oder Ihre KlinikMedführer:
Finden Sie Ihren Arzt
oder Ihre Klinik
imedo Arztsuche: Ärzte, Therapeuten, Heilpraktiker und Apothekenimedo:
Ärzte, Heilpraktiker, Apotheken