Donnerstag, 9. Februar 2012, 14:29 Uhr

manager magazin



05.03.2008
 

Flipper

Gib mir die Kugel

Es klackert, klickt, blinkt, klingelt und heult: Flippern ist, wie alle Ex-Jugendlichen wissen, eine äußerst sinnliche Erfahrung. Ein Sammler aus Schwerin will nun mit seinen kreischbunten Kugelspieltischen ein Museum aufbauen, das die Kneipenkultur von gestern feiert.

Schwerin - "Flip" ist englisch und heißt "schnipsen". Flipper sind Spielautomaten, an denen per Knopfdruck Kugeln übers Spielfeld geschubst und damit Punkte gesammelt werden. Kein Geldgewinn sei das Ziel, allenfalls eine zusätzliche Spielrunde, betont "Flipper-Experte" Matthias Gomoll aus Schwerin.

Der gelernte Elektromonteur und IT-Kaufmann im Datenverarbeitungszentrum Mecklenburg-Vorpommerns sammelt und restauriert in seiner Freizeit Flipper - jene Spielautomaten, die heute von Videospielen verdrängt und damit vom Aussterben bedroht sind. Zusammen mit seinem Kollegen Arne Hennes plant er in Schwerin Norddeutschlands erstes Flippermuseum.

Kindheitserinnerungen wachzurufen ist eins der Anliegen des Museums, so Gomoll. Schließlich seien die Geräte Ausdruck einer Jugendkultur über Jahrzehnte hinweg. Der Ursprung der Automaten sei ein einfaches Brettspiel mit einer aus Nägeln (Pins) geformten Kugellaufbahn gewesen, erklärt der 37-Jährige.

1979 wurden noch 40.000 Geräte importiert

Seit den fünfziger Jahren entwickelten sich die Flipperautomaten, die vor allem in Amerika produziert und massenhaft auch nach Deutschland eingeführt worden waren. Im Jahr 1979 gingen etwa noch mehr als 40.000 neue Flipper über den großen Teich und wurden in westdeutschen Kneipen und Kinos aufgestellt. In der DDR kannte man die Automaten allerdings nur von Rummelplätzen, sagt der gebürtige Schweriner Gomoll.

Das Aus für die klobigen bunten, blinkenden und klickenden Kugelspieltische, die meist aufwendig nach Kinofilmen gestaltet worden seien, war ab den neunziger Jahren nicht nur durch die Vielfalt und Kompaktheit der neuen Videospielautomaten besiegelt.

Auch die hohen kommunalen Steuern für Unterhaltungsgeräte, die aufwendig zu pflegende Technik sowie die zunehmende Kompliziertheit der Spielabläufe hätten dafür gesorgt, dass Flipper nicht mehr angenommen worden und mittlerweile fast vollständig aus der Öffentlichkeit verschwunden seien, bedauert Gomoll.

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