Von Marc Pitzke, New York
"Weltweite Akkumulation von Reichtum"
So konnte Sotheby's seinem Midtown-Gegner Christie's mit exorbitanten Preisgarantien Kunden und Ware abspenstig machen - und im US-Markt für feine Kunst, den sich die beiden fast alleine im Duopol aufteilen, zählt jedes Auktionsobjekt. Christie's ist nicht an der Börse notiert und im Privatbesitz, hat jedoch nach eigenen Angaben zwangsläufig nun mit ähnlich hohen Mindestpreisen nachziehen müssen.
Sotheby's verdient sein Geld hauptsächlich mit den Gebühren, die es auf die explodierenden Auktionsergebnisse noch draufschlägt: 20 Prozent für die ersten 500.000 Dollar, 12 Prozent für alles darüber. Seine Kosten dagegen hat Sotheby's relativ stabil halten können. Die Folge: hübsche Profitsteigerungen.
Noch trägt der Kunstmarkt die Margen. "Auch wenn wir uns dauernd um Abkühlungsszenarios sorgen", sagte Analyst George Sutton von Craig-Hallum Capital dem Wirtschaftsdienst Bloomberg, "müssen wir in Betracht ziehen, wie mächtig dieser Trend in weltweiter Akkumulation von Reichtum ist." So tauchten auf den jüngsten Sotheby's-Auktionen auffallend viele neue Multimillionäre aus Russland und China auf. Doch Sammlerkunst ist bekanntlich eine notorisch zyklische Szene. Selbst Ruprecht weiß: "Diese Wachstumskurve können wir nicht ewig beibehaben."
"Wie eine Symphonie"
In der Sotheby's-Galerie an der York Avenue ist von Abkühlung jedenfalls nichts zu spüren. Ein paar distinguierte Kunden - potentielle Bieter - wandern diskret durch die Hallen, um die hier ausgestellten 61 Auktionsstücke für diese und nächste Woche schon mal vorab zu begutachten. Darunter 15 Picassos - etwa das Mini-Porträt "Tete D'arlequin", geschätzt auf mindestens 18 Millionen Dollar. Außerdem: Francis Bacons "Study from Innocent X" (30 Millionen Dollar), Jackson Pollocks "Number 16" (25 Millionen Dollar), Tom Wesselmanns Pop-Art-Blickfang "Smoker #17" (3,5 Millionen Dollar) sowie ein Joan Míro für 10 Millionen und ein Marc Chagall für 12 Millionen Dollar.
David Norman verlangsamt seinen Schritt ehrfürchtig vor einem Ölgemälde von Lyonel Feininger. "Jesuiten III" heißt es und zeigt vier Gestalten in einem Park. Norman schwärmt über die "exquisiten Farben", das "wundervolle Wechselspiel von Heilig und Profan".
"Es ist", murmelt er, "wie eine Symphonie." Hört man ihm zu, möchte man es fast selbst mitnehmen. Die Gelegenheit ergibt sich auf der morgigen Auktion. Mindestgebot: neun Millionen Dollar.
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