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manager magazin



16.04.2007
 

Pokern

Der Haifisch in Dir

Einst galt Pokern als verruchtes Zockerspiel - doch die Zeiten ändern sich. Inzwischen begeistern sich Jung und Alt für das Kartenspiel. Der James-Bond-Film "Casino Royale" brachte es auf den Punkt: Pokern ist ein Massenphänomen.

Berlin - James Bond spielt Poker, Stefan Raab auch. Casinos und Online-Anbieter verzeichnen einen Ansturm auf ihre Pokertische, in Kneipen und Wohnzimmern treffen sich private Zockerrunden - aus dem einst verruchten Kartenspiel ist ein Massenphänomen geworden.

Suchtexperten verfolgen die Entwicklung jedoch mit Sorge. "Beim Poker handelt es sich um ein Glücksspiel mit rascher Spielabfolge, das eine hohe Suchtgefahr birgt", erklärt der Leiter des Instituts für Psychologie und Kognitionsforschung an der Universität Bremen, Gerhard Meyer. Die plötzliche Begeisterung der Deutschen für das Spiel um Straße, Flush und Drilling führt der Experte für Glücksspielsucht vor allem auf die vielen Übertragungen im Fernsehen und das Internet zurück.

Auf zahlreichen Seiten kann man im Netz rund um die Uhr gegen Menschen aus der ganzen Welt antreten. Um ein paar Runden zu spielen, muss man kein Geld einsetzen und nicht einmal die Regeln beherrschen - Anfängerfehler werden automatisch verhindert.

Doch die unbegrenzte Verfügbarkeit senke bei vielen Menschen die Hemmschwelle, warnt Meyer. "Über das Spiel um Punkte wird das Interesse geweckt. Der Übergang zum Spiel um Geld ist dann fließend - man kann ja auch erstmal nur um Centbeträge spielen." Wenn ein Spieler am heimischen PC jedoch immer höhere Geldbeträge setze und sogar eine Sucht entwickele, falle das kaum jemandem auf. "Es gibt keine soziale Kontrolle wie im Casino", sagt Meyer. "Ich kann sogar betrunken an einem Spiel teilnehmen." Auch die Live-Übertragung von Poker-Turnieren im Sportfernsehen findet der Suchtexperte bedenklich. "Es wird suggeriert, dass es sich um einen Wettbewerb handelt wie bei anderen Sportarten auch.

Das verschleiert den Glücksspielcharakter des Spiels", sagt Meyer. "Viele Leute verdrängen, dass Poker ein Glücksspiel ist", bestätigt der Poker-Experte Jochen Braun, der in der Duisburger Spielbank für klassische Casinospiele wie Roulette, Poker und Black Jack zuständig ist. "Sie glauben, dass es sich um ein Geschicklichkeitsspiel handelt, das mit Denkvermögen und Intelligenz zu tun hat." Natürlich kommt es beim Poker - anders als bei anderen Glücksspielen - auch auf Erfahrung und Menschenkenntnis an. Ein guter Pokerspieler kann abschätzten, ob das eigene Blatt gut genug ist, um weiterzuspielen. Ansonsten muss er möglichst zeitig aussteigen oder mit hohen Einsätzen geschickt bluffen.

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