01.03.2007
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100 Jahre KaDeWe

Süße Sünde

2. Teil: Tratsch von der Rolltreppe

Tratsch von der Rolltreppe

Das Sehen und Gesehenwerden kam dazu, der Klatsch, der Tratsch, ein erhaschter Blick auf Marlene Dietrich oder Billy Wilder. Das KaDeWe, das war ein Mittelpunkt in der Stadt, ein Mikrokosmos. Berlins Tourismuschef Hanns-Peter Nerger sagt noch heute, dass er nur mit gespitzten Ohren die Rolltreppen des KaDeWe hinauffahren müsse. Er wisse dann, was läuft in Berlin.

Kaufhaus des Westens: Das KaDeWe wird 100 Jahre alt
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AP

Kaufhaus des Westens: Das KaDeWe wird 100 Jahre alt

Die Historie des KaDeWe ist eine deutsche Geschichte. Gründer Jandorf verkaufte sein Haus 1927 an die jüdische Kaufmannsfamilie Hermann Tietz (Hertie). Mit dem Machtantritt der Nationalsozialisten wurden die Eigentümer aus der Geschäftsleitung verdrängt. 1943 stürzte ein amerikanisches Kriegsflugzeug auf das Gebäude, das KaDeWe begann einen Notverkauf. 1950 eröffnete der Neubau. Der Luxus dieser Zeit war die Grundversorgung - mit Kleidung und Lebensmitteln. Mit dem Kalten Krieg und der Teilung Berlins fiel dem Kaufhaus eine neue Rolle zu: Es wurde zu einem Schaufenster des freien Westens und besann sich bald wieder auf sein Luxussegment.

In den Tagen nach dem 9. November 1989 stürmten tausende von DDR- Bürgern das KaDeWe - es war zur Legende geworden, zum Symbol für eine paradiesische Warenwelt. Dass das Haus zu dieser Zeit eher ein wenig angestaubt wirkte, tat dem Mythos keinen Abbruch.

Mit der Übernahme von Hertie durch die Karstadt AG begann das Kaufhaus sich wieder zu einem Flaggschiff zu mausern, mit gläsernen Aufzügen, Luxus-Boulevard, Beauty-Department, Wellnessbereich - und Kinderbetreuung. Heute sieht sich das Kaufhaus wieder in einer Reihe mit Harrods in London oder den Galeries Lafayette in Paris. 50.000 Besucher kommen jeden Tag, inzwischen sind 40 Prozent von ihnen Touristen. 2000 Mitarbeiter haben 400.000 Artikel auf heute sechs Etagen, vom Knopf bis zum Kaviartöpfchen, für die Kundschaft arrangiert. Über Umsatzzahlen wird hartnäckig geschwiegen.

Doch die neuen Ladenöffnungszeiten, die an der Friedrichstraße im Osten der Stadt die Nacht zum Tag werden lassen, lässt das KaDeWe für sich nicht gelten. Das Haus schließt - Hauptstadtgefühl hin oder her - um 20.00 Uhr, nur am Freitag zwei Stunden später. So viel Luxus muss sein.

manager-magazin.de mit Material von dpa

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