Von Andreas Steinle
Die Konsumenten-Demokratie ist die Folge der Individualisierung, die durch die derzeitige technologische Entwicklung einen neuen Schub erfährt. Für die Wirtschaft bedeutet diese Entwicklung ein Umdenken. Ihre Kunden treten mit einem anderen Selbstverständnis auf. Sie nutzen ihre neue Macht und mischen aktiv mit, wo sie früher nichts zu melden hatten, zum Beispiel in der Preis- oder in der Sortimentsgestaltung. In Zukunft führen die Konsumenten die Unternehmen.
Eine für Manager recht unbequeme Folge der Konsumenten-Demokratie ist, dass sich die Kunden selber organisieren. Nicht nur, dass sie sich in Internetforen über die Vorzüge und Schwächen von Unternehmen und Produkten unterhalten. Sie treffen sich auf virtuellen Marktplätzen, umgehen die traditionellen Mittler und werden selber zu Händlern.
Zur Realität geworden ist das neue Paradigma bei Ebay
. Selbstorganisation durch die Marktteilnehmer, freie Preisgestaltung durch den Wettbewerb von Angebot und Nachfrage und die Begrenzung des Handels durch ein Zeitlimit bilden die Rahmenbedingungen. Es gibt keine Zugangsbarrieren, für kommerzielle Anbieter gelten dieselben Bedingungen wie für Privatpersonen. Mittlerweile setzt Ebay jährlich 300.000 Gebrauchtwagen allein in den USA um.
Gleichheit im Konsum bedeutet: Ich verdiene mit
Das entspricht 25 Prozent des Ebay-Umsatzes und einem Handelsvolumen von 5,3 Milliarden US-Dollar laut einem Bericht des Marketingfachblatts "Advertising Age". In den USA ist das Unternehmen inzwischen der zweitgrößte, in Deutschland der viertgrößte Autohändler geworden. Mit seinem gesamten Handelsangebot aller Warengattungen schaffte es Ebay, sich unter den 15 Tophändlern der USA zu platzieren. Ebay entwickelt sich zum globalen Internetmarktplatz, der als Vertriebskanal nicht mehr ignoriert werden kann. Nachdem Quelle und Lego als erste große kommerzielle Anbieter über Ebay verkaufen, dürfte es nicht mehr lange dauern, bis andere nachziehen. Mit Ebay hat die Konsumenten-Demokratie ihre Heimat gefunden.
Der beste Kauf ist der, bei dem ich mitverdiene. Dieses Prinzip wird in der Konsumenten-Demokratie zur Bedingung. Es wird realisiert, wenn dem Kunden zum Beispiel Verwaltungsgebühren nicht berechnet werden, weil er einen Auftrag online tätigt. Das hat dazu geführt, dass es mittlerweile mehr als 30 Millionen Online-Konten gibt. Und es führt dazu, dass immer mehr Menschen via Internet ihre Reisen buchen. Sie investieren ihre Eigenzeit, um ähnlich dem Einkaufsmanager eines großen Unternehmens die Kapazitäten und Preise der Anbieter zu vergleichen. Der Vorteil für die Konsumenten ist ein niedriger Preis. Der Vorteil für die Fluggesellschaften ist eine hohe Auslastung.
Ausschaltung der Zwischenhändler
Wer auf der Strecke bleibt, sind die Reisebüros. Die Kunden brauchen sie nicht, genauso wenig wie die Fluggesellschaften. Lufthansa hat kürzlich die Provisionen an Reisebüros für den Verkauf von Tickets gestrichen. Die Reaktion einiger Reisebüros war, keine Lufthansa-Flüge mehr zu verkaufen.
Die Folge: Noch mehr Menschen werden ihre Flüge online buchen. Zum Beispiel beim Reiseportal Opodo, in dessen Werbung es kürzlich hieß: "Kein Lufthansa-Ticket im Reisebüro bekommen? Tickets gibt's 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche." Die technologische Vernetzung fördert das Umgehen der Zwischenhändler und führt zu einem weltweiten Wachstum der Billigmärkte. Der Preis wird in den kommenden Jahren die absolut dominante Rolle spielen. Die jetzigen Preiskämpfe sind erst der Anfang. Konsumenten wollen vor allem eins: mehr für weniger.
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