"Die Bank hat mich erst ausgelacht"
Der Kreditberater habe ihn damals zunächst fünf Minuten lang ausgelacht, erinnert sich Braun. Ein Geschäftskonzept, das auf zwei A4-Seiten Platz findet, das war ihm noch nicht untergekommen. 14 Tage später sagte die Bank zwei Millionen Mark zu. "Wir hatten bei dem Institut einen guten Ruf", erklärt er. "Zehn Jahre lang haben wir eine Szene-Disko, das Voilà in Hamburg, betrieben, ohne je Schulden zu machen."
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Unterdessen beobachten zwei kleine Mädchen im Publikum des Wunderlands, wie mehrere Sträflinge aus dem Gefängnis am See auszubrechen versuchen. Offenbar haben sie sich an zusammengeknoteten Bettlaken aus dem Fenster abgeseilt und flüchten in die Berge. Eins der Mädchen entdeckt den Alarmknopf an der Brüstung, die die Modellwelt vom Besucheransturm trennt. Einmal drücken, und die Sirene heult los, während die Suchscheinwerfer auf dem Gefängnisbau kreisen.
Bisher knapp eine Million Besucher
Während die Kleine blinzelnd in die Suchscheinwerfer blickt, entdeckt ihre Freundin eine andere Taste. Plötzlich erwacht das Leben auf einem nahe gelegenen Partydampfer, der über den See schippert. Bunte Lampions schimmern und leise Tanzmusik weht über das gläserne Wasser.
Zweieinhalb Jahre nach der Eröffnung des Miniatur-Wunderlandes scheint sich der Mut der Bank gelohnt zu haben. Zu der ersten, kleinen Anlage gesellte sich 2002 ein liebevoll gestaltetes Hamburg-Modell, nun lockt der gerade fertig gestellte Amerika-Abschnitt die Stammgäste erneut. Inwischen wurden vier Millionen Mark investiert.
Im Januar, so die Prognose, kann das Miniatur-Wunderland den millionsten Besucher begrüßen. Um die laufenden Kosten zu decken und die Kredite zu bedienen, brauchen Braun und seine Partner etwa 400.000 Gäste jährlich. Kommt nichts dazwischen, sind die Schulden 2011 beglichen.
In der Mini-Welt regnet es nicht
Für die jüngste Investition haben 24 Modellbauer in 40.000 Arbeitsstunden amerikanische Häuser, Straßen und Höhenzüge gebaut, nach den Plänen des Nürnberger Energieanlagenelektronikers Gerhard Dauscher Kabel und Gleise verlegt und mit der 22 PCs starken Steueranlage verknüpft. Die größte Brücke mit 2,8 Metern Spannweite streckt sich zwischen den Rocky Mountains, ein 13,5 Meter langer Güterzug mit 60 Waggons schlängelt sich am dekadenten Glitzer von Las Vegas vorbei, Endstation auf einem einsamen Steg in den Everglades.
Die nächsten hundert Quadratmeter Fläche sind bereits in Planung. "Aber wir machen erstmal eine Baupause", kündigt Braun an. Vieles müsse neu geordnet werden, die Strukturen im Unternehmen, "und auch die Arbeitsmoral". Mit einem Mal wirkt er wie ein Chef, wenn er mahnend anhebt: "Viele der Modellkünstler haben sich zu richtigen Diven entwickelt".
Ein letzter Blick auf den bunt beleuchteten Cola-Truck, dann geht es nach Hause. Eine Familie aus Köln steigt gerade gemächlich die Treppen hinab. Die Rückkehr in die eigene, die große Welt fällt dem Sohnemann nicht leicht: "Guck mal, Mami, draußen ist es ja schon dunkel."
Wenig später setzt leichter Nieselregen ein. Den gibt es noch nicht im Miniatur-Wunderland.
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