Dienstag, 19. März 2019

Virtuelles Training Die Ferntrainer

Virtuelles Training: Der Coach aus dem Handy
Gymwatch

Welcher Fitnessstudiogänger wünscht sich das nicht: die perfekte, maßgeschneiderte Betreuung. Doch nicht jeder kann sich einen Personal Trainer leisten. Wie gut, dass es virtuelles Training gibt - mit echten Trainern, die aus der Ferne coachen.

Köln - Er hat dicke Muskeln, jede Menge Fachwissen und kann einen auf Wunsch auch richtig anbrüllen. Julian Zietlow ist ein Bilderbuch-Fitnesstrainer, der selber für seinen Traumkörper lebt und seine Leidenschaft gerne mit anderen teilt.

Schade eigentlich, dass er keine persönlichen Trainingsstunden mehr gibt. "Mir wurden schon 500 Euro für eine Einheit geboten", erzählt er, "aber ich wollte nicht." Der 29-Jährige hat nach jahrelangem Trainerdasein mit mehr als 3000 Unterrichtsstunden eine deutlich lukrativere Marktnische gefunden: Julian Zietlow ist Ferntrainer im Internet.

Seine Kunden kennt er nicht, aber er begleitet sie Tag für Tag. Per Email und mit Videobotschaften. Für einmalig 300 Euro kann sich jeder per Mausklick sein 10-Wochen-Programm bestellen. Dafür gibt es jede Woche neue Trainings- und Ernährungspläne und Videos, in denen Zietlow die Übungen vormacht, ganz viel erklärt und ein bisschen aus dem Nähkästchen plaudert.

Der Mann, der sich selber vom dicken Teenager in einen Adonis verwandelt hat, erläutert: "Ich habe mich auf die schnelle Körpertransformation spezialisiert." Mit spektakulären Vorher-/Nachher-Fotos im Netz lockt Zietlow neue Kunden. Darauf zu sehen sind unsportliche Schwabbel, die später ein Sixpack haben.

Ein straffer Plan für Bodybuilder, lukrativ für den Erfinder

"Ohne soziale Netzwerke wäre mein Unternehmen womöglich nicht so schnell gewachsen", sagt der Trainer. Sein Name ist in der Fitnessszene eine Marke. Ein Selbstläufer. "Vor einem Jahr hatte ich 20.000 Facebook-Likes, jetzt sind es auf der Männerseite 80.000, auf der Frauenseite 110.000, und ich muss Autogramme geben."

Die gute Nachricht: Julian Zietlow ist kein Heuchler. Sein Programm funktioniert definitiv. So gesehen können die 300 Euro gut angelegtes Geld für diejenigen sein, die sich in kürzester Zeit einen definierten Körper wünschen. Die schlechte Nachricht: Zaubern kann der Mann nicht, er kennt keine Tricks.

Am Ende der zehn Wochen ernähren sich seine Kunden fast ausschließlich von Proteinen, fünf bis sechs Mal die Woche hartes Krafttraining sind Pflicht. Ist die Zeit abgelaufen, sind die Infomaterialien nicht mehr zugänglich. Zietlows Programm ist nicht anderes als ein solider, straffer Plan für Bodybuilder, den er perfekt zu verkaufen und in Geld umzusetzen weiß.

Dafür wird er von anderen Trainern kritisiert. "Ich bin der erste, der Bodybuilding in den Mainstream gebracht hat", reagiert Zietlow. "Es gibt viele Nachahmer, die die Leute abzocken und sagen, dass alles so easy ist. Ich hingegen gebe einfach mein Wissen weiter und bringe die Leute dazu, die klassischen Übungen straff durchzuziehen. Viele meiner Kunden sind durch mich das erste mal in ihrem Leben diszipliniert." Und er fügt hinzu: "Du musst das Rad nicht neu erfinden, aber du musst die Räder dazu bringen, dass sie perfekt zusammen laufen."

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