Sonntag, 4. Dezember 2016

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Trike Rasanter Elektro-Renner für Pendler

Elektrofahrräder: Trikes und weitere Modelle
Fotos
HP Velotechnik

Mit 45 Stundenkilometern geht es durch die Landschaft - das neue Trike Scorpion fs 26 ist eine Mischung aus Fahrrad und Motorrad. Eine Rennmaschine, die für viel Fahrspaß sorgt, urteilt mmo-Autorin Andrea Reidl, die das Dreirad mit Motor getestet hat.

Hamburg - Der Wind bläst mit fünf Windstärken stur von vorne. In Böen sechs hatte der Wetterbericht angekündigt. Ich schalte von Unterstützungsstufe zwei auf vier, trete gleichmäßig weiter und werde immer schneller. Bei 39 Stundenkilometern verharrt die Anzeige. Meine Beine und der 500 Watt Motor haben noch Reserven, 45 km/h schafft das Trike Scorpion fs 26 in Spitze. Aber ich habe Zeit. Selten bringt Radfahrern bei Regen und Gegenwind so viel Spaß: Der Hintern drei Handbreit überm Boden auf einem schnellen Dreirad.

Das Trike ist der Porsche unter den schnellen Pedelecs. Sportlich, rasant und eines der wenigen Elektrofahrzeuge in der Szene, die in eine Zwitterrolle schlüpfen: Nicht Fahrrad, nicht Motorrad. Der Scorpion gehört zu einer neuen nachhaltigen Fahrzeuggattung, die die Mobilitätslücke zwischen Fahrrad und Auto schließt. Die Modelle ersetzen auf hohem Niveau den Zweitwagen und bereiten den Fahrern vor allem eines: Fahrspaß.

Das Liegerad ist ein Hingucker, eine Rennmaschine, mehr Nische geht kaum. Für Paul Hollants und seinem Geschäftspartner Daniel Pulvermüller ist es ein schlüssiges Konzept auf dem Weg zum perfekten Fahrrad. Das wollen sie bauen - seit mehr als 20 Jahren. Bereits als Jugendliche haben sie mit einem voll verkleideten Liegerad einen Preis beim Wettbewerb "Jugend und Technik" gewonnen. Parallel zum Ingenieurs-Studium entwickelten, erweiterten und verfeinerten sie ihr Konzept immer weiter. Bis zum Scorpion fs 26.

Zwei 20 Zoll Räder vorne, ein 26 Zoll Rad hinten, ein 500 Watt Motor, der auch bergauf ordentlich zieht, sowie ausgefeilte Technik aus dem Automobilbau haben Hollants und Pulvermüller in den Scorpion fs 26 verbaut. Die Einzelradaufhängung fällt dank ihrer leuchtend blauen McPherson-Federbeine selbst Laien auf. McPherson-Federbeine? Jeder technikbegeisterte Autofreak nickt anerkennend und grinst, wenn er das hört. Diese Vorderradaufhängung hat sich der Amerikaner Earl S. McPherson 1949 ausgedacht. In Verbindung mit dem Querstabilisator im Scorpion sorgen sie dafür, dass bei schnellen Kurvenfahrten die Trike-Karosserie ruhig auf der Straße liegt.

Komfortabel über die Straßen

Trotzdem gilt wie beim Auto: Jedes Fahrzeug, das schlecht behandelt wird, kann umkippen. "Fahren Sie die ersten Kurven vorsichtig", hatte mich Hollants gewarnt. Nach ein paar Eingewöhnungstouren über kurvenreiche schmale Landstraßen, tanze ich mit dem Trike auch bei 35 km/h durch die Kurven. Mit Radfahren hat das nur noch wenig zu tun. Die Sitzposition, mit den Händen in Höhe der Oberschenkel, ist extrem sportlich. Das Trike ist schnell. Ein Renner, der scheinbare Widersprüche in sich vereint: sicher und bissig, bequem und rasant.

Im Stadtverkehr bewegt man sich als Fahrer aufmerksamer als üblich. Insbesondere an Kreuzungen. Mit dem Scorpion beginnt man aus Eigeninteresse das, wofür Verkehrsplaner in Berlin und Freiburg mit ihrer Rücksicht-Kampagne derzeit werben: Man nimmt Blickkontakt zu den Autofahrern auf. Denn die Befürchtung, von abbiegenden Autos übersehen zu werden, ist durchaus realistisch.

Dagegen fährt man auf der Straße extrem komfortabel. Die Autofahrer nehmen Rücksicht. Vielleicht macht das Kennzeichen am Heck zum Verbündeten, vielleicht ist es auch nur das fremde Gefährt. Jedenfalls halten die Fahrer bedeutend mehr Abstand als bei Radfahrern und der Scorpion rollt im Stadtverkehr souverän mit.

Seit April kann man das Dreirad kaufen. Etwa 100 Modelle wurden bereits verkauft. Ist das viel oder wenig? Hollants lacht. Das wird sich zeigen. Zurzeit ist die Elektrifizierung der Fahrradbranche eine Erfolgsgeschichte. Im Gegensatz zu Elektroautos sind Elektrofahrräder ein Renner. Rund 380.000 wurden allein im vergangenen Jahr verkauft. Etwa eine Million Räder rollen über Deutschlands Straßen.

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