Montag, 20. August 2018

Der Trick mit der Seeumrundung Wie Sie spielend jede Distanz schaffen

Am See entlang läuft es gleich besser - wie hier an der Außenalster in Hamburg
Sonja von Opel
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    Michael Reusse
    Sonja von Opel ist Laufexpertin und Lebensläuferin. Mit einer Marathonbestzeit von 2:52h und als erfolgreiche Ultraläuferin gibt sie ihr Wissen und ihre Liebe zum Laufen in Laufcamps, Vorträgen, Büchern und vor allem als Online-Coach von über 100 Athleten pro Saison mit großer Begeisterung weiter. Als Geschäftsführerin der "Sonja von Opel Sports GmbH" bewegt sie nicht nur ihre Athleten vom Schreibtisch aus, sondern veranstaltet das ganze Jahr hindurch Laufreisen, Trainingscamps und Sportevents:

    www.opelrunningteam.com

Stellen Sie sich vor, Sie sind im Urlaub. Irgendwo im Grünen. Herrliche Gegend. Sie haben Ihre Laufsachen dabei und brechen morgens auf, um ihre gewohnte 60-Minuten-Runde zu laufen. Sie kennen sich in der Gegend nicht wirklich aus, aber Sie vertrauen auf Ihren Orientierungssinn.

Nach einigen Minuten stößt der Feldweg, den Sie gewählt haben, auf einen See. Malerisch liegt er vor Ihnen, umringt von traumhafter Natur. Sie können die andere Uferseite sehen, und vor allem sehen sie, dass ein Weg rund um den See führt. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass Sie sich dafür entscheiden, einmal um den See herum zu laufen? Ich tippe auf deutlich über 50 Prozent. So, und jetzt kommt es: Sobald Sie sich entschieden haben, das komplette Ufer dieses hübschen Gewässers mit Ihren eigenen Füßen zu umrunden, gibt es kein Zurück mehr.

Selbst, wenn schon nach dem ersten Drittel der Umrundung Ihre Kräfte nachlassen, es zieht Sie magisch nach vorne, Sie wollen wissen, wie der Weg weitergeht, Sie wollen die Sache rund machen, zu Ende bringen, komplettieren. Die Natur hat Ihnen eine Aufgabe gestellt und Sie müssen sie einfach lösen.

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Sie schauen gar nicht auf die Uhr, vielmehr interessiert Sie, wann der Weg direkt am Wasser entlangführt und wann er ein wenig abseits ein paar Schlenker macht. Niemals verlieren Sie das Wasser aus den Augen und immer wieder halten Sie Ausschau nach Ihrem Ausgangspunkt oder einer markanten Stelle zum Orientieren. Alle paar Meter wechselt die Perspektive und doch fühlen Sie sich sicher und geborgen. Sie können sich gar nicht verlaufen, wenn Sie dem Uferweg folgen.

Sie lassen sich verzaubern von verwunschenen Wasserpflanzen, staunen über die Vielzahl an Vögeln, die sich hier tummeln und vergessen völlig die Müdigkeit Ihrer Beine. Am Ausgangpunkt angelangt stellen Sie erstaunt fest, dass Sie 90 Minuten unterwegs waren und damit einen neuen Rekord aufgestellt haben. Dabei ging es die ganze Zeit gar nicht um das Laufen, es ging um die Erkundung des Sees. Ganz unverhofft und spielerisch.

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Ob Sie nun zufällig in den Genuss kommen einen See oder ein andersartiges Gewässer zu umrunden, ober ob Sie es ganz gezielt darauf anlegen, ist im Grunde gar nicht wichtig. Der Effekt ist fast immer der Gleiche: Sie stellen die Streckenlänge nicht infrage. Es geht nicht um den einzelnen Kilometer, es geht darum eine geographische Konstante anzunehmen, sich ihr zu fügen und den eigenen Weg dadurch bestimmen zu lassen.

Wasser hat immer etwas Anziehendes, etwas Magisches, etwas Verträumtes. Die meisten Menschen fühlen sich am Wasser wohl und geraten ins Schwärmen oder ins Träumen. Ein harter Dauerlauf am Wasserrand fühlt sich nur halb so schlimm an wie mitten im Wald. Als ob dieses Element uns Kraft schenkt und die Gewissheit, dass wir Menschen auf Erden starke Wesen sind, die alles schaffen können, wenn wir nur wollen.

Brauchen Sie noch Beweise? Hier kommen einige streng subjektiv ausgewählte Lieblings-See-Strecken.

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