Montag, 20. August 2018

Szeniger Single-Speed-Bolide Soweit die Waden tragen

Bike-Test: All City Nature Boy in Bildern
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Manchmal fällt es schwer, nicht in Klischees zu denken. Auf Singlespeed-Räder gehört eben jenem Klischee folgend ein Hipster - mit Vollbart, Hornbrille und Holzfällerhemd, klar. Und natürlich der Trucker-Kappe. Verzicht also statt Fahrspaß, Posen statt Powern? Wie konnte ich so irren. Denn das All City Nature Boy macht auch abseits der Eisdiele Spaß. Doch von Anfang an.

Singlespeed ist es, wenn Radfahrer auf jenes Bauteil verzichten, das erfahrungsgemäß die meisten Probleme bereitet - die Schaltung. Keine verhakten Gänge also, kein Schleifen. Nur der eine Gang. Der muss sitzen, sich gut anfühlen. So wie der Gang, den man an geschalteten Rädern am meisten nutzt. Für Singlespeeder bedeutet das Zählen - die Zähne vorn und hinten. Je größer die vordere Zahl, um so schwerer der Antritt. 42 und 17 lautet die Abkürzung beim Testrad, Mittelfeld. Singlespeed ist eben eine Nische. Und das Crossrad Nature Boy damit die Nische innerhalb der Nische. Aber auf geht's.

Kurz-Check
Sport-Faktor
Überraschend hoch - das Rad läuft und lässt sich auch im Gelände gut auf der Strecke halten. Limitierendes Element? Das Schmalz in den Beinen.
Transport-Faktor
Man kommt überall durch - wenn auch nicht überall hoch.
Bling-Faktor
Sehr wuchtig. In Hamburg Eimsbüttel nickt ein Mann mit Vollbart und Holzfällerhemd anerkennend - ehrlich!
Und das überraschend unprätentiös. Radeln wie in Kindertagen, wenn man so will. Langsame Tritte am Anfang, deren Frequenz sich dann immer weiter steigert. Kein Sirren einer Gangschaltung, kein Klackern. Die Endgeschwindigkeit? Weniger eine Frage des Schmalzes in den Oberschenkeln als vielmehr der Fähigkeit, die Beine wirbeln zu lassen, ohne durcheinander zu kommen. In der Stadt bedeutet das ein anderes Radfahren. Nicht ganz so spurtstark, nicht ganz so schnell - aber auf jeden Fall ausreichend zügig. Und still. Es surrt, die Reifen mit dem Format 33 federn die Unbill der Straße ab, der Stahlrahmen tut sein übriges. Überhaupt, der Rahmen.

Stahl gilt heute nicht nur als "in", es hat auch Eigenschaften, die das Material für den Radbau interessant machen. Denn es ist, entsprechend verbaut, an den entscheidenden Stellen flexibler als Aluminium. Und das bedeutet ein Plus an Komfort. Freilich, zur Sänfte wird das Rad dadurch nicht. Aber dass soll es auch nicht. Statt dessen stur den Fährnissen des Alltags trotzen. Und das klappt.

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