Samstag, 16. Dezember 2017

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Paleo Convention in Berlin Vegan speisen? Steinzeit-Futter ist der neue Goldstandard

Steinzeit-Treffen: Paleo Convention in Berlin
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Sarah Tschernigow

2. Teil: Paleo-Anhänger frühstücken häufig erst zur Mittagszeit

In Barfuß-Schuhen kommt auch Paul Jaminet zur Convention. Im Symposium hält er einen Vortrag über die Genesung durch Paleo-Ernährung. Jaminet ist eigentlich Astrophysiker und gehörte der forschenden Elite der Harvard Universität an. Später arbeitete er als Softwareunternehmer. Doch er ließ die gut bezahlten Jobs hinter sich, um ein Buch über Paleo zu schreiben. 2010 wurde "The Perfect Health Diet" zum Megabestseller in den USA.

Jaminet ist kein Mitbegründer der Paleo-Diät, aber er verhalf ihr zum Durchbruch, indem er eine moderne, weniger strenge Variante entwickelte. Manche sprechen von Paleo 2.0. "Ich habe eine ausbalancierte Version von Paleo entwickelt", erläutert Jaminet. "Ich fing selber mit einer strengen Low-Carb-Variante an. Aber das bekam mir nicht gut. Ich involvierte stärkehaltige Kohlehydrate, wie Süßkartoffeln, in die Ernährung, fuhr die Fette rauf und das Protein etwas runter."

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Sarah Tschernigow
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Und dann berichtet der 52-Jährige, wie er durch Paleo erfolgreich eine Autoimmunkrankheit bekämpfte und heute fit und gesund ist. Allerdings sollte man wissen, dass der Professor davor lange Zeit Antibiotika nahm und literweise Cola trank. Heute gibt es für ihn ein typisches Paleo-Frühstück: Kaffee mit Kokosöl. Das Fett hält stundenlang satt. Paleo-Anhänger frühstücken häufig erst zur Mittagszeit. Das Essen müsse sich schließlich verdient werden.

Ohne Zweifel täte es vielen Menschen gut, den vielen Zucker wegzulassen, auf die Qualität der Fette zu achten und das Getreide, das heute mit dem Urweizen nicht mehr viel zu tun hat, zu reduzieren. Aber wie viel Paleo macht Sinn?

Mitveranstalter Leon Benedens ist dafür, den Paleo-Lifestyle nicht zu übertreiben und zur Obsession werden zu lassen. "Es geht nicht darum, das steinzeitliche Leben zu imitieren. Das geht ja gar nicht. Die Steinzeit soll vor allem die Natürlichkeit hervorheben. Damals gab es keine industriell gefertigten Produkte und keine Massentierhaltung. Es reicht schon, sich vorzustellen, wie man vor 150 Jahren gegessen hat. Da gab es kein Maggi, und Essen wurde nicht eingeflogen. Man sollte einfach versuchen, so naturbelassen, artgerecht und regional wie möglich zu essen."

Er selber gönnt sich ab und zu auch mal Fast Food und einen guten Drink. Freude und Genuss werden bei Paleo ganz groß geschrieben.

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