Dienstag, 19. März 2019

Lauftraining Nieder mit dem inneren Schweinehund!

Lauftraining: So besiegen Sie den inneren Schweinehund
DPA

Jeder Läufer kennt ihn, den inneren Schweinehund, der sich auf dem Sofa räkelt und flüstert: Komm, lass doch die Laufschuhe stehen, hier ist es doch viel netter... wie nur wird man dieses Biest los? Lauftrainer Thomas Klingenberger verrät, wie das geht.

Warum laufen Sie? Weil es Ihnen Spaß macht? Weil es gesund ist? Weil Sie die Herausforderung suchen? Prima, weiter so! Doch was ist an den Tagen, an denen Sie Ihre Freude, Motivation oder Ihre Leidenschaft für das Laufen mal nicht so verspüren? An denen Sie doch lieber auf dem Sofa sitzen und im Fernsehen anderen beim Sport zuschauen wollen?

Irgendwann erwischt er uns alle, der innere Schweinehund. Zu kalt, zu nass, zu heiß, zu dunkel, zu glatt, niemand läuft mit, keine Zeit oder einfach zu platt nach der Arbeit? Die Liste der Argumente gegen das Anziehen der Laufschuhe ist lang. Der innere Schweinehund ist der Meister der Ausreden und das Symbol der Willensschwäche. Und oft gewinnt er. Doch woher kommt es überhaupt - dieses hartnäckige Biest in mir, das mich mit sanft säuselnder Stimme überzeugen möchte, das Sofa den Laufschuhen vorzuziehen?

Wir Menschen sind Jäger und Sammler. Wir mussten in der grauen Vorzeit für unsere Nahrung weite Strecken laufen. Wenn wir nicht auf Jagd waren, war es notwendig, dass wir sehr faul waren - das war wichtig, damit wir uns möglichst schnell wieder von den Strapazen erholen konnten. Die Bewegung war notwendiges Übel, um zu überleben. Einen Riesenspaß werden die ausdauernden Menschen damals nicht daran gehabt haben, kilometerweit der Beute hinterherzulaufen, aber sie hatten ein unmittelbares Ziel vor Augen: die Beute zu erlegen, um die Sippe zu ernähren.

Dieses Ziel fehlt uns heute. Um Nahrung zu bekommen, setzen wir uns ins Auto, fahren in den nächsten Supermarkt, packen den Einkaufswagen voll und bezahlen an der Kasse bequem mit der Karte. Ziemlich unspektakulär und wenig sportlich. Nach dieser "Anstrengung" haben wir im Grunde alles erledigt, um zu überleben - der Kühlschrank ist voll und die nächste Woche ist ernährungstechnisch gesichert. Also rauf aufs Sofa und erholen, denkt unser Körper von nun an. Da scheint es uns doch erst einmal völlig unsinnig, vor die Tür zu gehen und uns körperlich zu fordern.

Doch haben wir auch Ziele, die wir mit dem Laufen verbinden. Ansonsten würden wir gar nicht raus gehen und laufen - warum auch? Jeder hat ein Ziel, das er verfolgt, doch liegt das meist nicht unmittelbar vor uns, sondern ist zeitlich oft weit weg. Der Marathon im Herbst, zehn Kilo abnehmen in den nächsten 6 Monaten oder der gesundheitliche Aspekt. Alles Ziele, die wir zwar vor Augen haben, für die wir aber oft ein Fernglas benötigen, um sie zu sehen. Kein Wunder, dass es da Tage gibt, an denen wir keine Lust haben, uns zu bewegen. Schließlich hängt davon nicht unser Leben ab.

Der Mythos der immerwährenden Glückseligkeit vor, während und nach dem Laufen trifft vielleicht auf den ein oder anderen Läufer zu. Es mag sie geben, diese Läufer, diese Glücklichen unserer Spezies, die nie Probleme haben, sich zu motivieren. Die sich vielleicht gar nicht motivieren müssen. Weil sie einfach immerzu Lust aufs Laufen haben. Wenn ich so einem Läufer über den Weg laufe, habe ich ein schlechtes Gewissen. Weil ich diese Glückseligkeit nicht immer verspüre. Doch eines ist beruhigend: die Mehrheit aller Läufer kennen ihn auch - den inneren Schweinehund. Aber er lässt sich austricksen - hier finden Sie meine Tipps.

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