Samstag, 15. Dezember 2018

Wie Sie cool bleiben, wenn es heiß ist Trainieren bei Hitze - was jetzt richtig ist

Mut zur Pause: Ihr Körper weiß am besten, ob Sie trainieren sollten oder nicht
Andreas Butz
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    Andreas Butz ist einer der gefragtesten Laufexperten in Deutschland. Der gelernte Banker, über 140-fache Marathonläufer und Gründer der Laufcampus Akademie trainiert und motiviert mit seinem Trainerteam Menschen und Unternehmen. Sein Credo: "Laufen ist der kürzeste Weg zu allem, was Menschen erfolgreich macht¿. Er hat zahlreiche Laufbücher geschrieben. 2015 erschien "Schwitzen für Erfolg - In Laufschuhen Karriere machen".
    www.andreasbutz.com
    www.laufcampus.com

Ich bin im Juli gut 300 Kilometer gelaufen. Bei der Hitze? Ja klar, so wie im Schnitt jeden Monat. Laufen hat für mich einen sehr großen Stellenwert. Laufen ist für mich Auszeit, Ausgleich, Selbstbestätigung und Genuss am sportlichen Wettkampf. Da kann und werde ich mir die Freude am Laufen doch von so einer kleinen Hitzewelle nicht nehmen lassen. Ganz im Gegenteil. Ich mache das Beste draus und gehe aus dieser Hitzephase fitter hervor, als ich hineingejoggt bin. Und das geht so:

Druck rausnehmen - Mut zur Pause

Bleiben Sie ruhig mal zu Hause. Ich bin der festen Überzeugung, wenn wir Menschen mehr auf unsere Körpersignale achten, dann werden wir seltener krank. Und krank durch Laufen, das wäre doch wirklich blöd. Wenn Ihre Selbstdisziplin und Ihr Trainingsplan ein Training einfordern, Sie sich aber total müde und abgeschlagen fühlen, sich alles in Ihnen dagegen wehrt, jetzt die Laufschuhe anzuziehen, dann bleiben Sie doch bitte mal zu Hause. Machen Sie sich eine Saftschorle, setzten Sie sich auf den Balkon in den Schatten und halten Sie die Füße mal ganz ruhig. Freuen Sie sich über Ihre somatische Intelligenz, dass ist die Intelligenz in Ihnen, die sagt, was genau jetzt gut für Sie ist. Heute ist es mal eine Pause.

Kein Trainingsplan ist so schlau wie das Körpergefühl

Okay, Training ausfallen lassen, dass ist für viele schon ganz schön heftig. Geht es nicht eine Nummer moderater? Na klar, auch hier gilt, nehmen Sie den Druck raus, reduzieren Sie den Stress. Ein Kunde rief mich diese Woche an, in seinem Trainingsplan ständen 5 x 2000 Meter im Halbmarathontempo, und fragte wie er das denn bei der Hitze umsetzen sollte. Ganz einfach. Mach weniger.

Ein Intervalltraining hat verschiedene Trainingsziele. Drei Ziele davon sind Abwechslung ins Training zu bringen, die Freude an der eigenen Leistungsfähigkeit zu fördern und das Herzkreislaufsystem zu stärken. Das alles bekommt man auch mit weniger hin, statt mit 5 x 2000 Meter auch in 5 x 600 Meter hin. Ganz im Gegenteil der Effekt ist vielleicht noch stärker. Im Kopf verankert sich, dass man (diesmal, siehe oben) nicht gekniffen hat, das Training nicht hat ausfallen lassen, aber so schlau war auf die besonderen Bedingungen geachtet und das Training angepasst zu haben. Die 5 x 2000 Meter hätten zu viel sein können, die 5 x 600 waren aber garantiert ein persönlicher Sieg.

Gleiches gilt natürlich auch für alle anderen Schlüsseleinheiten. Statt dem in der Marathonvorbereitung geplanten langen Lauf über drei Stunden kann man auch mal "nur" zwei Stunden laufen. Trotzdem klasse und ebenfalls ein persönlicher Sieg.

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