Dienstag, 20. November 2018

Wie Läufer von temporärem Nahrungsverzicht profitieren Fit durch Fasten

Herbstzeit: Laufen, wenn sich andere schon Winterspeck anfuttern

Sonja von Opel
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    Michael Reusse
    Sonja von Opel ist Laufexpertin und Lebensläuferin. Mit einer Marathonbestzeit von 2:52h und als erfolgreiche Ultraläuferin gibt sie ihr Wissen und ihre Liebe zum Laufen in Laufcamps, Vorträgen, Büchern und vor allem als Online-Coach von über 100 Athleten pro Saison mit großer Begeisterung weiter. Als Geschäftsführerin der "Sonja von Opel Sports GmbH" bewegt sie nicht nur ihre Athleten vom Schreibtisch aus, sondern veranstaltet das ganze Jahr hindurch Laufreisen, Trainingscamps und Sportevents:

    www.opelrunningteam.com

Jedes Lebewesen benötigt Energie. Wir Menschen beziehen unsere Energie aus drei verschiedenen Quellen: Kohlenhydrate (Zucker), Fett und Eiweiß (Aminosäuren). Der Brennstoff Zucker übernimmt dabei im Grunde alle wichtigen Hauptaufgaben. Das Gehirn arbeitet beispielsweise nur mit Zucker. Damit dem wichtigsten Organ niemals der Sprit ausgeht, wird davon jede Menge in der Leber gespeichert. Auch die Muskulatur speichert Zucker, auch genannt Glykogen, damit hier jederzeit eine schnelle Reaktion gewährleitet werden kann, wenn eventuell Gefahr droht, vor der geflüchtet werden muss.

Das Problem des Glykogens liegt allerdings darin, dass die Speicherkapazität des Körpers beschränkt ist. Wenn sämtliche Speichermöglichkeiten der Kohlenhydrate voll sind, was bei unserem heutigen Überangebot an Getreideprodukten, Teigwaren und Süßigkeiten sehr häufig vorkommt, dann hat unser Körper einen besonders cleveren Trick auf Lager. Anstatt die wertvolle Energie verkommen zu lassen, wandelt er die Kohlenhydrate einfach in Fett um, denn dieses kann er unbegrenzt einlagern.

Das ist nämlich das Tolle am Fett: Es liefert pro Gramm mehr als doppelt so viel Energie wie Kohlenhydrate und kann in rauen Mengen gespeichert werden. Ist eine Speicherkammer voll, wird einfach eine neue Kammer gebaut und so wächst das Bäuchlein Kammer um Kammer um Kammer. Je mehr Fettspeicherkammern vorhanden sind, je größer die Überlebenschancen bei einer aufkommenden Hungersnot.

Blöd nur, dass in den westlichen Industrienationen so gar keine Hungersnöte in Sicht sind, wo doch die Speicherkammern bei den meisten Menschen wunderbar prall gefüllt sind. Kein Wunder also, dass Adipositas (Fettleibigkeit) die Zivilisationskrankheit schlechthin ist, die weitere Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Diabetes oder Bluthochdruck mit sich bringen.

Läufer wissen um diese Zwickmühle und machen daher das Beste, was man als Mensch tun kann: Sie verbrennen jede Menge Energie. Der menschliche Organismus ist nämlich darauf ausgelegt, nicht nur Energie zu speichern, sondern diese auch immer wieder durch schwere körperliche Ertüchtigung zu verbrennen. Essen jagen, Territorium verteidigen, Rivalen in die Flucht schlagen. Ein moderner Mensch, der das Laufen für sich entdeckt hat, folgt also im Grunde nur seiner Natur.

Läufer stecken allerdings in einem ganz anderen Dilemma. Sie haben es geschafft, ihren Fettstoffwechsel ordentlich anzukurbeln, aber einem gut funktionierenden Fettstoffwechsel gelingt es nicht nur, das hochenergiereiche Fett besonders gut zu verbrennen, er ist auch besonders geschickt darin, sämtliche Energie für schlechte Zeiten wieder als Fett zu speichern.

Nicht selten rennen Läufer daher trotz ihres hohen Grundumsatzes ihrem Traumkörper erfolglos hinterher, weil ihr fleißiger Körper ständig Energie einlagert, einlagert, einlagert. Um diesem Zustand zu entkommen, empfiehlt es sich, den Körper ab und zu so zu fordern, wofür er einst geschaffen war: Eine ordentliche Hungerphase muss her! Wer dem Körper für einige Tage die Nahrung entzieht und keine Energie von außen zukommen lässt, der zwingt ihn in eine Notsituation, die hart, aber fair ist. Könnten wir auf leeren Magen keine körperliche Leistung bringen, wir hätten niemals eine nahrungsarme Durststrecke mit einer erfolgreichen Jagd beenden können. Würden wir nach zwei Tagen ohne Essen kollabieren und verenden, wir wären in der Steinzeit ausgestorben. Aber, weil wir es können, sollten wir es tun!

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