Dienstag, 20. November 2018

Männergesundheit Warum Fußballfans etwas für ihre  Gesundheit tun

Warum sind Männer so häufig Fußballfans? Und was hat das Fansein mit der eigenen Gesundheit zu tun? Autorin Carola Kleinschmidt ist der Frage nachgegangen, wie man Männer für die eigene Gesundheit interessieren kann.

Typisch Mann: Stärke beweisen.
Mit dem Wohlbefinden des Mannes verhält es sich paradox: "Wenn man Männer und Frauen nach ihrer Gesundheit befragt, sagen mehr Männer als Frauen, dass es ihnen gut geht", erklärt Anne Starker, Projektleiterin des Berichts "Gesundheitliche Lage der Männer in Deutschland", den das Robert-Koch-Institut Ende 2014 veröffentlichte. Subjektiv fühlt sich die männliche Bevölkerung also gesünder als die weibliche. Nur: Diese Selbsteinschätzung stimmt mit den objektiven Krankheitsdaten nicht überein. Denn die deutschen Männer sind objektiv kränker als die deutschen Frauen. Vor allem bei den Herz-Kreislauf- und Krebserkrankungen sowie bei Süchten sind Männer in der Statistik ganz weit vorne.

Nach wie vor stehen Gesundheits-Experten etwas ratlos vor diesem so genannten Genderparadox und fragen sich: Warum agieren Männer so? Wieso ist der Mann auf dem Gesundheitsauge nachhaltig blind? Und wie könnte man ihren Fokus auf den gesunden Lebensstil und Vorsorge lenken? Dabei geht es den Experten nicht nur darum, Kosten im Krankenkassensystem zu vermeiden, sondern auch um die Lebensqualität des männlichen Geschlechts. Schließlich sterben Männer im Schnitt immer noch fünf Jahre früher als Frauen. Viele sind vorher schon jahrelang durch ihre Erkrankungen stark beeinträchtigt.

Der moderne Mann soll vor allem stark sein

Immerhin nähert man sich inzwischen den Antworten auf die Frage, warum Männer für aktive Gesundheitsvorsorge wenig Sinn haben. Die Antwort liegt vermutlich in den heute noch gültigen Rollenidealen von männlich und weiblich. "Zu funktionieren ist für die meisten Männer im Alltag immer noch viel wichtiger als die eigenen Befindlichkeiten zu erfühlen", weiß Peter Kölln, Betriebsarzt und Experte für Männergesundheit. Auch heute noch stehen Attribute wie Stärke, Durchhaltevermögen, Biss, Zielstrebigkeit und Stabilität für Männlichkeit. Begriffe wie Softie und Weichei sind dagegen klar abwertende Vokabeln für zu gefühlige Männer.

Auch der moderne Adonis will und soll im Job seinen Mann stehen. Das Ideal des Vaters beinhaltet neben aller Emotionalität, die man von modernen Vätern erwartet, durchaus noch Stärke, Zuverlässigkeit und Leistungskraft. Ebenso wünschen sich Partnerinnen einen kraftvollen Kerl. Für Männer gilt nach wie vor in allen Rollen: "Du sollst stark und belastbar sein!" Und nicht: "Hör doch mal in Dich selber rein!"

Dieses Ideal des eigenen Rollenbildes wirkt sich auch auf das Gesundheitsverhalten aus: "Viele Männer, gehen erst zum Arzt, wenn ihre gesundheitlichen Probleme so stark sind, dass sie nicht mehr funktionieren. Bis dahin ignorieren sie die Beschwerden schlicht", beobachtet Peter Kölln, Betriebsarzt und Experte für Männergesundheit, der soeben ein Buch zum Thema veröffentlicht hat mit dem Titel "Männer im Betrieb(s)Zustand". Für seine Recherchen hat er seine Erlebnisse als Betriebsarzt in männerdominierten Branchen ausgewertet und über 60 Experten nach ihren Erkenntnissen im Bereich Männergesundheit befragt.

Der männliche Weg

Auf der Basis seiner Erkenntnisse hat Kölln ein Modell für männliche Gesundheitsvorsorge entwickelt, das er "Sorge-Vorsorge-Modell" nennt. "Männer gehen in Sachen Gesundheit häufig einen Weg, den ich den Sorgeweg nenne", erklärt Kölln. Das heißt: Sie fangen erst an, sich um ihre Gesundheit zu kümmern, wenn sie eine gravierende Erkrankung oder ein Unfall sie dazu zwingt. Der ideale Gegenentwurf dazu wäre der Vorsorgeweg: Man hat seine Gesundheit und sein Wohlbefinden im Blick, auch wenn es einem eigentlich gut geht.

Das Problem mit der Gesundheitsvorsorge für Männer sei derzeit, dass man die Männer direkt von ihrem häufig eher problematischen Gesundheitsverhalten, dem Sorgeweg, auf den gesunden Vorsorgeweg führen wolle, stellt Kölln fest. Doch das funktioniert nicht. Denn diesem Umschwung steht das starke Rollenbild des Mannes entgegen, in dem ängstliche Vorsorge, gesundheitliche Schwächen und Gefahren keinen Platz haben.

Kölln plädiert deshalb dafür, Männer eher auf einen Mittelweg zu führen: "Man muss Männer darin unterstützen, zu sich selbst eine guttuende und akzeptierende Beziehung aufzubauen", erklärt Kölln. "Wenn man es schafft, Männer in diese Richtung der Selbstfürsorge zu begleiten, dann geschieht oftmals sehr viel", weiß Kölln. Denn dann kommen automatisch wichtige Fragen auf: "Wer bin ich eigentlich, abgesehen von meinen Rollen? Was will ich? Was brauche ich? "Diese Fragen öffnen erst den Blick für das eigene Wohlbefinden. Und die Männer finden dann auch einen ganz eigenen Weg, der sich dennoch deutlich von den Idealen der weiblichen Gesundheitsförderung unterscheidet."

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